Geschichten um Miezka

      Geschichten um Miezka

      Deus ex felidae (Teil 1)

      Lakaien, Butler und sonstige dienstbaren Geister sind in unserer Gesellschaft denen vorbehalten, welche die notwendige finanzielle Ausstattung dazu haben.
      Es gibt aber einen Personenkreis der dies völlig selbstverständlich und ohne dass ihm Kosten entstehen, in Anspruch nimmt.
      Dieser Personenkreis residiert beileibe nicht in den Chefetagen der Konzerne, sondern schleicht auf vier Pfoten durch Wohnungen und Gärten.
      *
      Eigentlich wollte ich keine Katze.
      Das heisst, eigentlich wollte ich schon, aber ich war damals ziemlich viel unterwegs und da wäre es für so ein Tier nicht gut, Tage oder gar Wochen alleine zu verbringen.
      Aber nach 6 anstrengenden Arbeitswochen gedachten meine damalige Freundin und ich, doch mal auszuspannen.
      Wir einigten uns auf Kreta, denn dort ist es auch im Oktober noch einigermassen warm.
      Die Auswahl fiel uns leicht, denn es war das einzige Reiseziel, das noch kurzfristig frei war.
      Schön war es dort.
      Die malerischen Müllberge am Strassenrand gaben der Insel ein besonderes Flair.
      Und teuer war es auch nicht, z.b. konnten wir Sonnenöl sparen, wir brauchten nur kurz ins Meer und waren total eingeölt.
      Auch Morgengymnastik war angesagt.
      In weiser Voraussicht war das Hotel so gebaut, dass man zum Frühstück 200 Meter ins nächste Hotel laufen musste.
      Da war ein Fussweg mit nett arrangierten Erdhaufen und herrlich wildem Gestrüpp an der Seite.
      Und genau an diesem Fussweg ereilte uns das Schicksal.
      Denn in der Mitte des Fussweges versammelte sich jeden Morgen ein Rudel wilder Katzen.
      Die bekamen von den Touristen, die vom Frühstück zurückkamen, immer ein Stück Wurst.
      Da wir auch zu der Spezies Tourist gehörten, folgten wir ebenso diesem wahrscheinlich seit Jahrtausenden eingebürgertem Ritual.
      Nett anzusehen, wie die Katzen um die Wurst bettelten und sich auch manchmal darum balgten.
      Nach einigen Tagen fiel mir auf, dass ein kleines rot-weis getigerte Kätzchen nie etwas von der Wurst abbekam.
      Offensichtlich schmeckte den anderen Katzen die Wurst so gut, dass sie sich sogar dazu herabliessen, das kleine Kätzchen mit einem Pfotenhieb zu vertreiben.
      Nun bin ich ja für eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen.
      Daher habe ich bei so einem morgendlichen Fütterungsritual gezielt die anderen Katzen vertrieben und dem kleinen Kätzchen ein Stück Wurst gegeben.
      Die Folgen waren ungeahnt.
      Kaum war das Wurststück verschlungen, schaute sie mich mit bettelndem Blick an.
      Aber Kätzchen, ich hab nichts mehr für dich.
      Also machen wir uns auf den Weg ins Appartement.
      Da streicht etwas um meine Beine.
      Es ist Kätzchen.
      Kätzchen lässt sich nicht abschütteln und folgt uns beharrlich.
      Naja, morgen bekommt sie wieder was.
      Kätzchen folgt uns bis zur Appartementtür.
      Reinlassen wollen wir sie nicht.
      Wir haben damit gerechnet, dass sie schon von alleine wieder zurückgeht
      Womit wir nicht gerechnet haben, war die perfide Strategie felider Intelligenz.
      Katzen können stundenlang völlig still vor einem Mauseloch sitzen und warten bis die Maus herauskommt.
      Aber wohl wissend, dass unser Appartement kein Mauseloch und wir keine Mäuse waren, entfiel der Begriff „still“ und der Begriff stundenlang wurde dafür doppelt verwendet.
      Am Anfang fiel es uns nicht gerade auf.
      Da war nur ein leises Fipen auf dem Flur.
      Aber es hörte nicht auf.
      Es hörte einfach nicht auf.
      Sie wollte uns wohl weichkochen wie einen Kohlrabi im Dampfkochtopf.
      Da wir nicht die Konsistenz von Kohlrabi haben, waren wir ziemlich schnell weichgekocht.
      Also gut Kätzchen, du darfst mal kurz rein.
      Kaum war die Tür auch nur einen Spalt offen, war sie schneller drin, als ein Politiker seine Meinung wechselt.
      Da wurde zuerst alles untersucht und begutachtet.
      Aber trotz offener Tür macht Kätzchen keine Anstalten, die Räumlichkeiten wieder zu verlassen.
      Und nun?
      Also beschlossen wir, im Supermarkt etwas Katzenfutter käuflich zu erweben.
      Aber Katzenfutter in einem Supermarkt auf Kreta?
      Gibt’s nicht!
      Nun gut, bekommt sie eben Thunfisch, schliesslich lebt sie ja am Meer.
      Und so wie’s aussah, schmeckte ihr das auch excellent.
      Nun wollten wir an den Strand.
      Also Sachen zusammengepackt und los.
      Kätzchen wird vor die Tür gesetzt, sie kennt ja den Weg.
      Kätzchen bleibt aber vor der Tür sitzen, schaut uns an und fängt wieder zu maunzen an.
      Jetzt ist Kriegsrat fällig.
      Nach Abwägung aller Fakten fällen wir ein salomonisches Urteil.
      Kätzchen darf dableiben, solange wir da sind.
      Und wenn der Urlaub zu Ende ist muss sie wieder zum Rudel zurück.
      Auch das Problem mit dem Katzenklo haben wir mit Hilfe einer Plastiktüte und Sand vom Strand gelöst.
      Kätzchen hat das gleich akzeptiert, wahrscheinlich war sie bisher nicht sehr verwöhnt.
      Vom Strand zurück, finden wir Kätzchen schlafend mitten im Bett.
      Nun gut, das Bett ist breit genug.
      Dachten wir.
      Unglaublich wie gross so eine Katze in der Nacht werden kann.
      Auf jeden Fall lagen wir zusammengekuschelt an der Bettkante, während Kätzchen den Rest des Bettes mit Beschlag belegte.
      Zumindest einige Zeit.
      Denn irgendwann in der Nacht tapste irgend etwas über mein Gesicht und etwas fellartiges legte sich direkt darauf.
      Dann spürte ich das treten kleiner Pfoten.
      An Schlaf war nicht mehr zu denken.
      Jetzt hatte Kätzchen Janette mit der gleichen Tour in der Mache.
      Den Rest der Nacht verbrachten wir damit, mit der Kleinen zu spielen.
      Erst gegen Morgen schlief sie ein.
      So vergingen die Tage.
      Deus ex felidae (Teil 2)

      Während wir tagsüber am Strand oder in der Umgebung waren, schlief Kätzchen im Appartement.
      Nun war das Ganze im Oktober 2006 und das war die Zeit, in der dieser Orkan über Kreta kam.
      Der Urlaub ging zu Ende und das Wetter wurde schlecht.
      Eigentlich hatten wir beschlossen die Kleine wieder ins Rudel zurückzubringen.
      Aber angesichts des beginnenden Orkanes und vor allem weil wir uns an die Kleine gewöhnt hatten, brachten wir das nicht übers Herz.
      Also noch ein Kriegsrat.
      Ausgiebigen Kriegsrat.
      Also lautet ein Beschluss,
      Dass die Katze mit uns muss!
      Aber wie?
      Wir sind mit dem Flieger hier
      Transportbox gibt’s hier nicht.
      Janette hat also die Kleine unter ihre Jacke genommen.
      Auf der Fahrt zum Flughafen war sie ganz still und hat keinen einzigen Maunzer von sich gegeben, so als wüsste sie, dass das Probleme geben könnte.
      Das Problem kam dann auch, am Flughafen.
      Es kam in Gestalt eines überzeugten Bürokraten beim einchecken.
      „No animals“
      „Why? Its mine!”
      “No!”
      “Why”
      “No possible!”
      Natürlich ging der Disput länger aber ich will ihn nicht komplett wiedergeben.
      Stossgebet an den Heiligen St.Bürokratius.
      Durch meinen Kopf gingen durchaus sympathische Bilder von geladenen und entsicherten Kalaschnikows.
      Janette schlägt flüsternd vor, die Kleine unter der Jacke an Bord zu schmuggeln, aber der Typ riecht den Braten.
      Ein weiterer Kriegsrat zeitigt keine greifbare Ergebnisse.
      So sitzen wir in strömendem Regen vor der Empfangshalle.
      Ich kann die Kleine nicht einfach aussetzen, die überlebt den Orkan nicht und ich will sie auch nicht aussetzen.
      Jetzt beginnen die Tränen zu rollen.
      Bei uns beiden.
      Die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt.
      Da erscheint wie eine Lichtgestalt die Rettung.
      Sie erscheint in Gestalt der Reiseleiterin.
      Sie merkt sofort, dass was nicht stimmt und fragt nach.
      Janette öffnet nur die Jacke und zeigt die Kleine.
      „Oh Gott!“ ist die einzige Bemerkung der Reiseleiterin.
      Aber sie weis Rat.
      Sie kennt einen Engländer, der für den Tierschutzverein Kreta arbeitet.
      Und der ist am Flughafen.
      Er erklärt uns, dass die Kleine geimpft, entwurmt, gechipt und einige Wochen in Quarantäne müsste.
      Hah, einige Wochen in Quarantäne, der Flieger wartet, es ist der letzte Flug, dann wird wegen des Orkans der Flugbetrieb eingestellt.
      Weiss der Ignorant, von was er redet?
      Wären wir doch mit dem Schlauchboot nach Kreta gepaddelt, dann gäb’s dieses ganze Theater nicht.
      Geduldig erklärte uns die Reiseleiterin, dass es so genannte Flugpaten gäbe, welche die Kleine in einigen Wochen nach Old Germany brächten.
      Wir müssten nur vorher von Deutschland aus die entstandenen Kosten begleichen
      Ein weiterer Kriegsrat entfiel, denn eine andere Wahl hatten wir nicht.
      Also haben wir schweren Herzens die Kleine den Engländer übergeben.
      Dann noch Adresse, Telefon und Email hinterlassen.
      Auf die Frage nach dem Namen hatten wir keine Antwort, denn Kätzchen, war für uns immer nur die Kleine.
      Der Rückflug war entsprechend schweigsam.
      Die kommenden 3 Wochen waren irgendwie seltsam.
      Kätzchen fehlte uns.
      Ich habe mehrmals am Tag nach Emails geschaut.
      Wir wurden immer nervöser.
      Dann kam eine Mail.
      Wir sollten einen Betrag an das deutsche Konto des Tierschutzvereins überweisen für Unterbringung und Tierarztkosten.
      Endlich ging es weiter.
      Es vergingen dann noch 4 Tage.
      Dann kam eine SMS
      Frankfurt 12:45 Uhr Ankunft aus Heraklion nach Frau Mutter Ausschau halten.
      Mutter?
      Ach so, das ist der Name der Flugpatin.
      Janette hatte an diesem Tag eine Buchung und konnte nicht mit.
      Noch nie bin ich so aufgeregt gefahren.
      Natürlich hatten wir schon Tage vorher Transportbox, Katzenklo und alles was man braucht, besorgt.
      Am Flughafen war ich schon 2 Stunden vorher.
      Aber man glaubt nicht, wie lange 2 Stunden sein können.
      Und wenn die jetzt das Kätzchen nicht dabei haben?
      Wenn irgend etwas schief gelaufen ist?
      Ankunft Flug sowieso, Ankunft Flug irgendwoher, keine Ankunft Heraklion.
      Die Zeit kriecht.
      Vielleicht steh ich auch am falschen Ausgang.
      In Frankfurt bin ich, da bin ich mir sicher.
      Endlich klappern an der Anzeigetafel, Ankunft Heraklion 13:20 Uhr.
      Tropf, Tropf.
      Es geht die Zeit im Sauseschritt,
      nur hier geht sie nicht mit!
      Tropf, tropf.
      Die Sekundenzeiger müssen defekt sein, so langsam wie die schleichen.
      Plötzlich klapper, klapper: Flug Nr wasweisich aus Heraklion ist gelandet.
      Warum dauert das auschecken so lange?
      Dann kommen Leute.
      Und Leute
      Und Leute.....
      Mit Gepäck und Koffern.
      Und noch mehr Leute.
      Niemand mit einer Soft-Transportbox.
      Ich stehe direkt am Ausgang, kann also niemand übersehen.
      Da kommt eine Familie mittleren Alters, die Frau blickt suchen in die Runde.
      Ich habe sie angesprochen und tatsächlich, es war Frau Mutter.
      Die Übergabe geht relativ schnell, die Familie muss noch weiter, bis sie nach Hause kommen.
      Kätzchen ist in der Soft-Transportbox, die Papiere in der Seitentasche.
      Sie ist etwas benommen, vor dem Flug hat sie noch ein Beruhigungsmittel bekommen.
      Natürlich ist’s bis zum Auto ein Stück zu laufen.
      Im Auto bekommt sie erst mal eine Dose Thunfisch, sozusagen als Einstand.
      Dann kommt sie in die grosse Transportbox, und los geht’s.
      Nach Hause sind’s 2 ½ Stunden, wenn’s gut läuft und es läuft nicht gut.
      Stau am Weinsberger Kreuz und vor Heilbronn ist Baustelle und die Wirkung des Beruhigungsmittels lässt nach.
      Kätzchen will jetzt raus.
      Hilft nichts, da muss sie jetzt durch.
      Endlich, nach 4 ½ Stunden zu Hause.
      Janette ist noch nicht da.
      Die Kleine muss jetzt ihr neues Zuhause inspizieren.
      Sehr, sehr ausgiebig.
      Endlich kommt Janette.
      Das war eine Wiedersehensfeier!
      Ja, welchen Namen geben wir ihr denn?
      In den Katzenpass hab ich noch nicht geschaut.
      Ich glaub, mein Kleinhirn wandert aus!
      Irgend jemand ist wohl auf die einfallsreiche Idee gekommen, sie Paula zu nennen.
      Ist das ein Katzenname?
      Na ja, eingetragen ist eingetragen und wir müssen sie ja nicht so rufen.
      Wir entscheiden uns dann auch nicht sehr fantasievoll für Miezka.
      So, jetzt war Miezka bei uns.
      Gibt es ein besseres Leben?
      Keinen Kampf ums Futter, immer trocken und warm und immer Personal da.
      Ich werde nach Kreta auswandern und mich dort als Katze verdingen.
      Personal das mich nach Deutschland bringt, finde ich dort sicher.

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      Erotic dreams

      Erotic Dreams

      Samtpfoten sind schon eine handliche Spezies.
      Man braucht sie nicht Gassi führen und auch sonst sind sie meistens lieb und friedlich, ausgenommen, sie begehren etwas unbedingt
      Und genau da taucht das Problem auf, das dem jeweiligen Dosi den Verstand raubt und zum sabbernden Idioten werden lässt.
      Es hat mit biologischen Bedürfnissen zu tun!
      *
      Zugegebenermassen hatten wir nicht viel Ahnung von Stubentigern, als Miezka bei uns einzog.
      Damals war sie etwa 4 Monate alt und ein so liebes Kätzchen.
      Bis auf die Tatsache, dass sie uns jede Nacht um 3 Uhr weckte, mit der unbedingten Aufforderung zum spielen.
      Aber was soll’s, dann spielen ihre Sklaven eben mit ihr.
      So weit so eingelebt
      Bis zu jenem Tag im Februar, als sie ein merkwürdiges Verhalten an den Tag zu legen begann.
      Zuerst glaubten wir, sie hätte etwas schlechtes gegessen und daher Bauchweh.
      Sie wälzte wälzte sich auf dem Boden, wie wir es nie machen würden.
      Die Geräusche, die sie dabei von sich gab, erinnerten an eine niedrig tourig laufende Schlagbohrmaschine.
      Es kann auch eine nicht geölte, quitschende Schlagbohrmaschine gewesen sein, in dieser Hinsicht hat mein Gedächnis einen traumatischen Schock erlitten.
      Die spektrale Breite ihrer akustischen Äusserungen deckte so ziemlich alles ab, was es auf der Welt an Geräuschen gibt
      Nach eingehender Beratung beschlossen wir, am nächsten Tag den Tierarzt unseres Vertauens aufzusuchen.
      Aber soweit kam es nicht.
      Denn Miezka in ihrem fürchterlichen Zustand, robbte uns, an den Boden gedrückt und laut maunzend, überall nach.
      Und dann wurde die Situation sehr eindeutig.
      Mitten im Wohnzimmer stellt sie das Hinterteil hoch, Schwanz zur Seite und mit einem sehnsuchtsvollen Blick gemaunzt.
      Blitzartig traf uns die Erkenntnis!
      Miezka wollte einen Kater!
      Wir waren eigentlich in vielen Belangen immer sehr aufgeschlossen.
      Dachten wir.
      Da lag sie also, ein Bündel voller Wollust, bereit, jeden dahergelaufenen Kater an sich heranzulassen, ohne Rücksicht auf unsere empfindsamen Seelen.
      Schamloses Weib!
      Was würde die Nachbarschaft von uns denken, wenn wir auf die selbe Art....
      Wir hätten wohl sehr schnell Besuch von ein paar uniformierten Herren bekommen.
      Da wir aber keinerlei Ambitionen hatten, es ihr gleichzutun, bekamen wir keine Besuch von den oben genannten Herren, aber anderen ungebetenen Besuch.
      Denn anscheinend hatte sich Miezkas Zustand herumgesprochen.
      Zumindest bei den Katern der Nachbarschaft.
      Miezkas Rufen bedeutete wohl übersetzt: „Kommet zuhauf!“
      Und sie kamen zuhauf.
      Haben wir hier ein Stundenhotel für liebestolle Kater?
      Nun können Katzen ja sehr leise sein, aber die zugewanderten Kater hatten wahrscheinlich noch nie etwas davon gehört.
      Sie ignorierten diese Aussage mit sturem und vor allem lautstarkem Durchhaltewillen.
      Wer je so ein Konzert gehört hat, wird verstehen, dass wir nach einiger Zeit mit den Nerven ziemlich am Ende waren.
      An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken.
      Erst gegen Morgen löste sich die Invasion auf.
      Den Gipfel setzte dann die Witwe, die über uns wohnte, auf, als sie uns fragte, ob wir wegen des kranken Kindes nicht lieber den Notarzt hätten rufen sollen, es hätte doch die ganze Nacht geschriehen.
      Ich muss ziemlich dümmlich aus der Wäsche geschaut haben, denn ich wusste erst nicht, von was sie redet.
      Ob meine flügellahmen Erklärungsversuche auf fruchtbaren Boden gefallen sind, weiss ich nicht.
      Miezka jedenfalls lies sich nicht von ihrer Wollust ablenken und war weiterhin auf direkte Anmache programmiert.
      Die folgenden Tage und Nächte waren furchtbar.
      Wir liefen nur noch total übernächtigt, mit blutunterlaufen Augen und als nervliche Wracks durch die Gegend.
      Aber nach einiger Zeit hatten wir uns mit Miezkas Zustand und den nächtlichen Konzerten arangiert.
      Es mag eine knappe Woche vergangen sein, als Miezka von einer Stunde auf die andere aufhörte, sich wie ein Strassenmädchen anzubiedern.
      Stille kehrte ein.
      In der Wohnung und im Garten.
      Mörderische Stille.
      Das war doch nicht normal.
      War Miezka etwa krank?
      Miezka, bitte maunze und biete dich an!
      Sonst sind wir endgültig in der Gummizelle.
      Enemy mine

      David sprach zu Goliath:
      „Du bist ein Riese, ich ein Schrat.
      Doch es steht schon in der Bibel,
      dass ich dir eins drüberzwiebel!“
      Die Bibel erwähnt nicht, dass dies auch für süsse Kätzchen gilt.
      *
      Miezka ist so süss.
      Miezka ist so verspielt.
      Miezka ist so verschmust.
      Glaubte ich jedenfalls.
      Zumindest so lange, bis ich feststellen musste, dass ich einen verkappten Predator beherberge.
      Aber der Reihe nach.
      Angefangen hat alles mit einem Spaziergang.
      Ein ganz normaler Spaziergang, Sonntag nachmittags, wie ihn tausend Leute, dem menschlichen Herdentrieb folgend, auch machen.
      Und Miezka kennt das schon, sie will mit.
      Aber natürlich, süsses Kätzchen.
      Sie ist zwar neugierig und begutachtet alles, was die Dauer des Spaziergangs erheblich in die Länge zieht, aber ich habe am Wochenende Zeit genug.
      Und sie ist artig genug, in der Nähe zu bleiben und immer wieder mal nach mir zu schauen.
      Wäre ja sonst eine Katastrophe, sie hat keinen Wohnungsschlüssel und die Dosen mit dem Katzenfutter kriegt sie auch nicht auf.
      Ich weiss nicht, welcher Teufel mich geritten hat, diesmal einen anderen Weg zu nehmen.
      Wie dem auch sei, nach einigen Kilometern mit viel untersuchen, schnüffeln und Schmetterlinge jagen, kamen wir an eine Bank am Wegrand, wo ich mich für einen Augenblick niederlassen wollte.
      Miezka auch, unter der Bank im Schatten.
      So weit, so friedlich.
      Aber natürlich die anderen Sontagnachmittagsausflügler.
      „Mami, schau mal, eine Katze“
      „Liebe Katze“
      „Darf ich die streicheln?“
      Miezka lässt alles mit absoluter Missachtung des Geschehens über sich ergehen.
      Bis...
      Ja, bis da einer kommt mit einem dalamtinerähnlichen Hund an der Leine.
      Der Dalamatiner sieht Miezka und ist sehr interessiert, macht aber keine Anstalten zu einer Kriegserkärung.
      Wahrscheinlich hat er noch nie eine Katze unter einer Bank gesehen.
      Er beginnt zu schnuppern.
      Wie er auf einen Meter herangekommen ist , beginnt unter der Bank ein Fauchen und Miezka schiesst unter der Bank hervor, dem Hund entgegen, mit gestäubtem Fell und Schwanz.
      Der springt zurück, hinter sein Herrchen und ich kann Miezka gerade noch erwischen.
      Anscheinend hat die Völkerverständigung hier total versagt.
      Hundebesitzer und Dalamtiner ziehen ab, er murmelt etwas, das ich lieber nicht verstehen möchte.
      Nun gut, irgend etwas war vielleicht an dem Hund und schliesslich ist Angriff die beste Verteidigung.
      Ende des Kapitels.
      Der Tragödie zweiter Teil.
      Drei Wochen später.
      Diesmal am Fluss.
      Miezka stromert herum, schaut ab und zu nach mir und legt sich dann neben mir ins Gras.
      Braves Kätzchen.
      Die Sonne wärmt und ich vertiefe mich immer mehr in Professor Tolkiens Werk, so dass ich nicht mehr auf meine Umgebung und insbesondere nicht auf Miezka achte.
      Was genau passiert ist, weis ich bis heute nicht, auf jeden Fall springt Miezka schlagartig mit einem fürchterlichen „Miauuuuu“ auf und rast davon.
      Im gleichen Augenblick höre ich ein schmerzhaftes Gejaule.
      Wie ich mich umdrehe, bietet sich ein wahrhaft groteskes Bild:
      Oben am Fussweg, steht ein Mann mit einem Hund vom Typ Rottweiler an der Leine.
      Der, von den Ausmassen eines kleinen Mastkalbes, jault verzweifelt.
      Denn mitten auf seinem Gesicht hängt Miezka und schlägt ihm genüsslich ihre Krallen in Schnauze und Augen.
      Das Gesicht des Mastkalbs ist bereits total blutüberstömt.
      Herrchen scheint ein Feigling zu sein, jedenfalls traut er sich nicht an die kratzende Furie heran.
      Buch weg und zum Weg rauf sind eins.
      Es blieb nicht die Zeit, ihr zu erklären, dass Rottweiler keine Mäuse und daher nicht zum Verzehr für Katzen geeignet sind.
      Nur Miezka weg von dem Hund, wenn der wieder klar kommt, genügt ein Biss und Miezka war mal.
      Man glaubt es nicht, wie stark die Krallen einer Katze sein können, besonders wenn sie sich in einen Hund vergraben haben.
      Irgendwie muss ich’s wohl geschafft haben, sie vom Hund abzupflücken.
      Eigentlich ist Miezka nicht sehr gross, aber mit dem gesträubten Fell sah sie aus wie ein Säbelzahntiger in Angriffsstellung.
      Selbst als sie auf meinem Arm war hat sie noch jede Menge Flüche und Beschimpfungen in der Katzensprache auf den Hund niedergelassen.
      Beruhigt hat sie sich erst nach Stunden.
      Auf jeden Fall hat der Rottweiler nur noch gewinselt und sich an seinen Besitzer gedrückt.
      Das Vieh tat mir richtig leid, so zugerichtet war der.
      Aber jetzt war erst mal Rottweilers Besitzer an der Reihe.
      Von wegen besser auf die Katze aufpassen, die sei ja gemeingefährlich, der arme Hund und überhaupt.
      Des Wortwechsels Ende vom Lied, ich hab ihm meine Adresse gegeben mit der Zusage, das meiner Versicherung zu melden.
      Herausgekommen sind da nur einige Euros für meinen Anwalt, denn das Ganze ging aus wie das Hornberger Schiessen.
      Einen Hund muss man an der Leine führen, eine Katze nicht, denn das sind im Prinzip Freigänger und als solche nicht dauerhaft zu beaufsichtigen.
      Jedenfalls denke ich jetzt darüber nach, ob man Miezka nicht auf andere Ziele aufmerksam machen könnte, beispielsweise Finanzbeamte.
      Ihr könnte eine grosse Karriere bevorstehen.
      Noch habe ich nicht entschieden.
      Bauchpinseleien

      Es ist nicht gut dass der Mensch alleine sei, so steht’s in den Schriften.
      Aber manchmal ist dies nicht zu umgehen.
      Da ist es schon gut, wenn so eine Samtpfote herumschleicht.
      Denn die macht nicht den Ärger, der unter Umständen in anderen Beziehungen entstehen kann.
      *
      Eigentlich wollte ich die Schnitzelaffäre mit Katharina friedlich beilegen.
      Jedoch hat sich das dadurch entstandene Frage- und Antwortspiel in ein Allegro Furioso hineingesteigert, so dass ich mich dann doch von ihr getrennt habe.
      Die Beziehung mit Janette war sowieso schon seit einiger Zeit beendet, so waren also Miezka und ich allein zu zweit.
      Das heisst aber auch, keinen Beziehungsstress mehr, man wird freudig erwartet, wenn man nach hause kommt, niemand fragt, wo man so lange war.
      Die Samtpfote hört mich schon von weitem, wenn ich noch auf dem Flur weit von der Wohnungstür entfernt bin.
      Bin ich erst mal drin, will sie erst mal hochgehoben werden und verlangt einen Nasenstubster als Begrüssung.
      Jetzt wird intensiv um meine Beine gestrichen.
      Das heisst, Dosi öffnet erst mal die Tüte mit den Leckerlis.
      Hmmm... so ein Katzenstick ist nicht zu verachten.
      Während Miezka sich den Katzenstick zu Gemüte führt, habe ich Zeit, ihren Napf zu reinigen und eine Dose Katzenfutter zu öffnen.
      Da ist sie wählerisch.
      Es muss mit Gelee sein.
      Da ist sie eigen.
      Auch Wiskas und Kitticat verschmäht sie.
      Sie besteht auf die Billigprodukte von Lidl.
      Sparsames Kätzchen.
      Nur von dem, was ich esse, begehrt sie etwas, fast egal, was es ist.
      So, jetzt kann der so genannte Chef des Ganzen an sich selbst denken.
      Erst mal umziehen, eventuell duschen und was der alltäglichen Dinge sonst noch sind.
      Habe ich erwähnt, dass Miezka sich nicht dafür interessiert, was ich mache?
      Das ist so nicht ganz korrekt.
      Sie interessiert sich nicht dafür, wenn ich nicht da bin.
      Aber wenn ihr Haussklave da ist, wird jede Bewegung mit Argusaugen registriert.
      So, fertig.
      Jetzt muss mal geschaut werden, ob neue Mails da sind.
      Schliesslich müssen die Moneten für das Katzenfutter herbeigeschafft werden.
      Miezka möchte natürlich auch wissen ob es neue Aufträge und eine neue Reisen gibt.
      Also erst mal auf meinen Schoss und schauen, was da vor sich geht.
      Da sie nie in die Schule gegangen ist, nicht mal in die Grundschule, verwehre ich jeden Schreibversuch ihrerseits.
      Dann muss Dosi auch selbst mal was zwischen die Zähne bekommen.
      Jedes Teil, das ich aus dem Kühlschrank nehme wird ausgiebig beschnuppert.
      Ausgiebiges Bettelritual.
      Manchmal hat sie damit wirklich Erfolg
      Nur manchmal.
      Wenn jetzt keine weitere Hausarbeit anfällt ist die Zeit des Relaxens gekommen.
      Mal sehen ob was in der Glotze kommt.
      Nein, nur unsägliche Kochshow, Gerichtssendungen und was noch der Schlaftabletten mehr sind.
      Also Musik an und ein Buch hervorgezogen.
      Das liest sich am besten so, wie die alten Römer gegessen haben, nämlich liegend.
      Miezka ist auch literaturinteressiert.
      So stark, dass sie sich nach einigem hin und her direkt auf das Buch legt.
      Mit lesen ist nichts mehr, jetzt ist Schmusetime.
      Ausgiebiges Kraulen und Bauch streicheln.
      Besonders den Bauch, da legt sie sich auf den Rücken.
      Was für ein Vertrauensbeweis!
      Miezka geht ab wie ein Mercedes im Leerlauf.
      Jedenfalls akustisch.
      Ab und zu bekomm ich einen Nasenstupser.
      Es wird spät und Zeit ins Bett zu gehen.
      Also fertig machen zum schlafen.
      Miezka ist auch schon in ihrem Katzenkörbchen oder in der Katzenhöhle.
      Licht aus und endlich mal pennen.
      Noch bevor ich eingeschlafen bin, spüre ich sanfte Schritte im Bett.
      Miezka hält es nicht mehr aus und will zu mir.
      Mehrere Rundgänge sind notwendig bis sie den richtigen Platz gefunden hat.
      Eigentlich überflüssig, sie legt sich sowieso neben mich.
      Immer.
      Manchmal lege ich eine Hand auf ihre Vorderpfoten.
      Das ist nicht erwünscht.
      Sie möchte ihre Pfoten auf meiner Hand haben.
      Immer.
      Soll heissen, dass sie der Chef im Haus ist.
      So wird die ganze Nacht geschlafen.
      Die ganze Nacht?
      Mitnichten.
      Es ist immer zwischen 2 und 3 Uhr, dass ich geweckt werde.
      Meistens durch eine feuchte Nase an meinen Augen.
      Es sind immer die Augen.
      Immer.
      Ich weis nicht, was sie an meinen Augen findet.
      Riechen die nach Fisch?
      Sie schnüffelt immer an den Augen.
      Sie langt nie zu, sie schnüffelt nur.
      Meistens spielen wir ein bisschen, bis ich irgendwann wieder einschlafe.
      Morgens ist sie wieder weg, in ihrem Körbchen, in ihrer Höhle, auf der Couch oder sonst wo.
      Einmal hab ich sie schlafend auf den Esstisch gefunden.
      Weiss der Geier, was sie dazu bewogen hat.
      So vergehen die Tage und ich will sie nicht mehr missen.
      Scheinbar werden wir uns immer ähnlicher. .
      Ich sollte mir ein Fell und Krallen wachsen lassen.
      Die Katze – eine Weihnachtsfabel

      Vor langer, langer Zeit, in einem fernen Land, wo der Nordstern tiefer steht, wo die Tage heiss und die Nächte kalt sind, da lebte eine Katze, die war trächtig.
      Vor langer Zeit waren ihre Vorfahren mit den Menschen aus dem Süden in dieses Land gekommen.
      Aber davon wusste sie nichts und es hätte sie auch nicht interessiert.
      Sie wohnte nicht bei den Menschen, sondern streifte frei durch das Land.
      Eine Maus oder anders Getier fand sie meistens.
      Jetzt war sie in die Stadt gekommen, da sie fühlte, dass sie bald gebären würde.
      In letzter Zeit waren viele Menschen in der Stadt und die Gasthäuser der Menschen waren voll, so dass auch viele Mäuse in der Stadt waren die sich an den Abfällen der Menschen gütlich taten.
      Für die Katze war daher der Tisch reichlich gedeckt.
      Zwar hatte sie eine Scheu vor den Menschen und kam keinem zu nahe, aber manchmal konnte sie doch ein Stück Fleisch stibitzen.
      An jenem Tag begann es bereits dunkel zu werden und die Häuser der Menschen waren voll.
      Wie sie nun um eine Ecke bog, sah sie ein Menschenpaar, das einen heftigen Wortwechsel mit einem weiteren Menschen führte.
      Sofort sah und roch die Katze, dass die Frau schwanger war.
      Aber nach der Katzen Art kümmerte sie der Menschen Geschäfte nicht.
      Es war bereits dunkel, als sie das Paar noch einmal von weitem durch die Strassen ziehen sah.
      Nun galt es, einen sicheren Platz für ihr Nest zu finden.
      In der Stadt war das unmöglich.
      Also lief sie zum Stadtrand, da kannte sie eine Hütte.
      Zwar waren oft andere Tiere darin, aber die hatten ihr noch nie etwas getan.
      So lief die Katze zu der Hütte und suchte sich im Heu ein sicheres Versteck.
      Die anderen Tiere beachteten sie nicht, sie gehörten den Menschen und sie kannten die Katze.
      Es dauerte auch nicht lange und die Katze gebar drei Junge, zwei Kätzchen und ein Katerchen. Sie biss die Nabelschnur durch und leckte sie trocken.
      Dann säugte sie die jungen Kätzchen zum ersten mal.
      Als sie sich ganz eng an ihre Jungen schmiegte um sie warm zu halten, gab es an der Tür ein lautes Gepolter.
      Die Tür ging auf und zwei Menschen kamen herein.
      Es war das Paar, dass sie heute schon zweimal gesehen hatte.
      Die Katze erschrak.
      Sie konnte ihre Jungen nicht im Stich lassen und jetzt war es unmöglich, ein neues Versteck zu suchen.
      Die Frau konnte kaum noch laufen und hatte offensichtlich starke Wehen.
      Der Mann stütze sie.
      Sie legte sich auf einen Haufen Heu.
      Die Katze roch, dass die Frau jetzt gebären würde.
      Die anderen Tiere schauten den Geschehen interessiert zu.
      Und tatsächlich gebar sie nach einiger Zeit ein Kind.
      Sie wickelten es in Tücher, die sie bei sich hatten und legten es zum Schutz in eine Futterkrippe.
      Die ganze Zeit hatte sich die Katze still verhalten und alles nur aus ihrem Versteck beobachtet.
      Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, widmete sich die Katze wieder ihren Jungen.
      Einige Zeit war vergangen, als die Tür zur Hütte wieder geöffnet wurde.
      Die Frau und der Mann erschraken erst, denn mehrere Männer kamen herein.
      Aber die Männer redeten nur mit den beiden Menschen.
      Was dann geschah, begriff die Katze nicht.
      Die Männer nahmen vor der Futterkrippe Aufstellung und knieten auf den Boden.
      Dann sprachen sie für die Katze unverständliche Worte in der Menschensprache.
      Nach einiger Zeit gingen sie wieder.
      Ruhe kehrte nun ein.
      Die Menschen schliefen im Heu.
      Jetzt wurde die Katze doch neugierig, auch wollte sie wissen, ob von dem Geschehen irgendeine Gefahr für ihre Jungen ausginge.
      Also schlich sie ganz vorsichtig durch das Heu zu den Menschen.
      Auch in die Futterkrippe schaute sie.
      Da lag dieses Menschenkind und schlief.
      Nun scheute die Katze eigentlich die Menschen, aber als sie dieses Kind sah, war alles ganz anders.
      Irgendetwas ging von dem Kind aus, das Vertrauen in der Katze weckte.
      Sie schnupperte an dem Kind.
      Dann fing sie an zu schnurren und ihm vorsichtig über das Gesicht zu lecken.
      Erst als das Kind unruhig wurde, sprang sie aus der Krippe und schlich wieder zu ihren Jungen.
      Das Kind fing an zu weinen und die Frau wachte auf und stillte es.
      So verging die Zeit.
      Ab und zu verschwand der Mann und kehrte nach einiger Zeit mit Essen zurück.
      Eigentlich ist es die Art der Katzen, nach einiger Zeit nach einem neuen Versteck für die Jungen zu suchen, aber diesmal war es anders.
      Sie fühlte, dass dies der sicherste Ort war, den es gab.
      Nach einigen Tagen gab es draussen vor der Hütte einige Aufregung.
      Es gab ein Gedränge und mehrere Männer kamen in die Hütte.
      Die waren ganz anders, als die Menschen, die sie bisher kennnenngelernt hatte.
      Sie waren auf eine Art gekleidet, welche die Katze noch nie gesehen hatte
      Auch sie knieten vor der Futterkrippe mit dem Kind und sagten unverständliche Worte
      Und sie liessen seltsame Dinge zurück, als sie gingen.
      Da war etwas, dass in der Nase der Katze nicht gut roch, und anderes, das glitzerte, so dass sie gerne damit gespielt hätte.
      Es vergingen wieder einige Tage.
      Dann passierte etwas seltsames.
      Ein Licht war da und etwas nie gekanntes erfüllte den Raum.
      Aber seltsamerweise hatte die Katze keine Angst.
      Aus dem Licht kam eine Stimme in der Sprache der Menschen.
      Als das Licht wieder verschwunden war, waren die beiden Menschen in heller Aufregung.
      Sie packten eilig zusammen, was sie hatten, die Frau nahm das Kind und sie verschwanden aus der Hütte.
      Jetzt war es auch an der Zeit für die Katze, umzuziehen.
      Sie wollte sich gerade aufmachen um ein neues Versteck zu suchen, als vor der Hütte Lärm erklang.
      Einige Menschen drängten sich herein und die Katze spürte sofort, dass diese übel gesinnt waren.
      Sie suchen in allen Winkeln der Hütte, aber sie fanden wohl nicht, was sie suchten.
      Die ganze Zeit hatte sich die Katze mit ihren Jungen immer tiefer ins Heu zurückgezogen.
      Als die Menschen laut rufend wieder weg waren brachte sie ihre Jungen in ein anderes Versteck.
      Schnell wuchsen die Kleinen heran und die Katze brachte ihnen alles bei, was man als Katze wissen muss.
      Und als die Zeit gekommen war, gingen sie ihre eigenen Wege.
      Die Katze aber streifte weiter durch das Land und obwohl sie immer noch vorsichtig war, hatte sie doch ihre Scheu vor den Menschen verloren.
      Viel Zeit war vergangen, als sie auf einem ihrer Streifzüge einem Mann begegnete, von dem sie glaubte, ihn zu kennen.
      Aber ja, der roch so wie das Kind damals in der Hütte, nur war er jetzt erwachsen.
      Diesen Mann sah sie noch öfter auf ihrer Wanderung durch das Land.
      Und irgendwie hatte sie ein grosses Vertrauen zu ihm.
      Aber sie ging weiter ihren Katzengeschäften nach.
      So lebte die Katze noch viele Jahre, länger als jede Katze vor ihr.
      Und sie war 35 Jahre alt, als sie unter einem Gebüsch einschlief.
      Als sie erwachte, war es heller Tag und es war warm.
      Sie steckte sich und schaute sich um.
      Um sie herum standen unzählige Tiere, von jeder Art.
      Zuvorderst ein grosser Kater, der den Kopf vor ihr neigte.
      Alle anderen Tiere taten es ihm gleich.
      Das verstand die Katze nicht.
      Da öffnete sich eine Gasse in der Menge der Tiere und ein Mensch kam auf sie zu.
      Sie erkannte ihn sofort.
      Das war der Mann, dessen Geburt sie miterlebt hatte.
      Aber wie sah der denn aus?
      Ganz blutig und mit vielen Wunden am Körper, an den Händen und den Füssen.
      Die Katze fragte sich, wer ihn wohl so zugerichtet habe.
      Sie war bereit, jeden anzugreifen, der dem Mann zu nahe kam.
      Der aber bückte sich und nahm die Katze in seine Hände.
      Sie fühlte sich bei ihm so wohl, wie sie es noch nie erlebt hatte.
      Dann ging er mit ihr durch die Menge der Tiere.
      Jetzt sah sie erst wo sie war: Ein weites Land mit grünen Wiesen, wie sie es noch nie zuvor gesehen hatte. Von fern hörte man die Brandung des Meeres.
      Der Mann trug die Katze immer weiter durch das Land, bis sie an Hügel kamen, die mit Wald bewachsen waren.
      Am Waldrand stand einer, der leuchtete in einem wunderbaren Licht.
      Als sie an ihm vorbeikamen verneigte sich auch der Leuchtende vor ihnen.
      Und weiter gingen sie durch den Wald bis sie wieder ans Meer kamen.
      Da ging ein in allen Farben schimmernder Weg in den Himmel.
      Die Katze kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
      Und so trug der Mann die Katze auf diese Brücke, die leuchtete wie ein Regenbogen, in den Himmel und mitten ins Licht hinein.
      Das Land am Rand der Zeit

      Es lebte ein Herr mit seiner Katze in der grossen Stadt.
      Dort arbeitete er auch und war’s zufrieden.
      Wie er aber eines Tages von der Arbeit nach Hause ging, hörte er aus einem Gebüsch am Weg ein leises, jämmerliches schreien.
      Als er nachsah, was das denn wäre, fand er ein ganz junges Kätzchen, mit zersaustem Fell und ganz schwach, das hatten böse Menschen einfach ausgesetzt.
      Den Herrn dauerte das kleine Katerchen und so nahm er es mit.
      Da das Kleine sehr krank aussah, gedachte er, es in die Tierklinik zu bringen.
      So hielt er also das kleine Katerchen in seiner Hand und machte sich auf den Weg in die Tierklinik.
      Und er hielt es in seinen Händen warm auf dem Weg.
      Aber der Weg war weit und das winzige Katzenbaby wurde immer schwächer und fing an zu röcheln.
      Und wie er den halben Weg gegangen war sah es ihn noch einmal an und starb in seinen Händen.
      Da war der Herr sehr traurig. Und er nahm das tote Katerchen mit nach Hause, denn er wollte es würdig beerdigen.
      Wie er nach Hause kam maunzte seine Katze jämmerlich und schnüffelt an dem toten Katerchen.
      Und der Herr nahm Eisenblech und baute einen Sarg daraus, schlug ihn mit Samt aus und legte das Katerchen hinein.
      Dann versiegelte er den Sarg, damit kein Ungeziefer hinein könne
      Als er nun gehen wollte um es zu beerdigen, schrie seine Katze und wollte mitgehen.
      So gingen sie miteinander zum Fluss und die Katze wich auf dem ganzen Weg nicht von seiner Seite.
      Am Fluss grub der Herr ein tiefes Grab und legte den Blechsarg hinein.
      Lange sassen der Herr und seine Katze noch an dieser Stelle und der Herr weinte bitterlich.
      Und jeden Tag ging der Herr und seine Katze an die Stelle und sie gedachten des Katerchens.
      So verging die Zeit und der Sommer wich dem Herbst.
      Und die Tage wurden kürzer und kälter und die Stürme des Herbstes kamen.
      Eines Tages kam ein grosser Sturm und der Fluss brachte Steine und Geröll aus den Bergen und trat über die Ufer.
      Und das Wasser schwemmte das Ufer weg und das Grab des Katerchens wurde aufgerissen und der Blechsarg ins Wasser getrieben.
      Und der Fluss trug den Blechsarg und das Katerchen fort.
      Der Sarg aber trieb immer weiter im Wasser, vom Fluss in den Grossen Fluss, der ins Meer fliesst. Viele Leute sahen den Sarg, aber sie hielten ihn für ein Stück Treibholz.
      So trieb der Sarg immer weiter bis in ein fremdes Land und von dort ins Meer.
      Im Meer trieb der Sarg hierhin und dorthin, aber niemals an Land.
      Viele Tage vergingen und der Sarg trieb immer noch auf dem Meer, denn der Herr hatte ihn gut versiegelt.
      Aber das Salz des Meeres nagte an dem Blech und bald würde es aufbrechen.
      Eines Tages zogen Wolken auf und ein schlimmer Sturm zog über das Meer.
      Der Blechsarg wurde hin und her gerissen und der Sturm tobte viele Tage.
      Und eben, als der Sturm nachliess, geschah es, dass der Sarg gegen die Felsen eines Landes geworfen wurde und aufplatzte.
      Und heraus kroch, als ob es nie tot gewesen wäre, das Katerchen.
      Mühsam nur schleppte es sich über die Felsen, aber es schien, dass es immer stärker wurde, je weiter es sich vom Wasser entfernte.
      Und als es oben auf der Klippe angekommen war, war es stark und gesund wie jede Katze.
      Da schaute es sich um, wo es denn wäre.
      Und es sah ein wunderbares Land, voll Sonne und grünen Wiesen.
      Da waren andere Katzen, die spielten auf den Wiesen, und auch Hunde waren da und viele andere Tiere.
      Und das Katerchen wunderte sich sehr, denn niemand tat einem anderen ein Leid.
      Wie es aber so stand und schaute, da hörte es eine Stimme, die freundlich sagte: „Du kommst spät. Wir haben schon nach dir Ausschau gehalten.“
      Es drehte sich nach der Stimme um und da stand ein grosser Kater, der es freundlich anschaute.
      „Komm, ich zeig dir unsere Welt.“ sagte er und lief den Hügel hinab.
      Das kleine Katerchen kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
      „Wo bin ich?“ fragte das Katerchen.
      „Dies ist das Land am Rande der Zeit, wo alle Tiere auf ihren Menschen warten. Dann gehen sie zusammen über die Regenbogenbrücke.“
      „Was ist das, die Regenbogenbrücke?“
      „Du wirst es sehen.“ sagte der Kater
      „Aber ich habe keinen Menschen.“ sagte das Katerchen.
      „Doch, einen musst du haben, sonst wärst du nicht hier,“
      Darauf antwortete das Katerchen nichts und sie gingen zusammen zu den anderen Tieren.
      Das Land am Rande der Zeit war ein wundervolles Land.
      Es war nie zu heiss oder zu kalt und wenn einmal Regen fiel, dann fiel er sanft.
      Es gab genug zu essen, und keines der Tiere litt Hunger oder Durst oder wurde krank.
      Der Kater machte das Kleine mit den anderen Tieren bekannt und sie spielten zusammen den ganzen Tag.
      Nach einiger Zeit war das Katerchen mit allen bekannt und der Kater kam immer seltener um ihm etwas zu zeigen.
      Als er ihm alles gezeigt hatte, kam er nicht mehr, denn er musste diejenigen begrüssen, die neu ankamen.
      So vergingen viele Tage, aber es wurde ihm nie langweilig.
      Nur von Zeit zu Zeit wurde eines der Tiere unruhig. Dann wanderte es hin und her, als ob es etwas suche.
      Über kurz oder lang führte ihn sein Weg auf die Klippe und ans Meer.
      Dort sass es dann ganz ruhig, als warte es auf etwas.
      Nach einiger Zeit kam es wieder und bei ihm war ein Mensch. Der grüsste die anderen Tiere und ging dann mit seinem Tier weiter und beide wurden nie wieder gesehen.
      Aber die Tiere sagten, dass sie zusammen über die Regenbogenbrücke gegangen wären.
      Dem Katerchen war das alles fremd und es verbrachte einen Tag wie den anderen in diesem zeitlosen Land.
      In der Menschenwelt mögen viele Jahre vergangen sein, aber eines Morgens, nach vielen ungezählten freudigen Tagen, wurde es von einer seltsamen Unruhe gepackt.
      Es wusst nicht was es war und es schnupperte hierhin und dorthin, aber da war nichts, was es interessiert hätte.
      Wie es gerade unter ein Gebüsch schlich, hörte es eine Stimme, die sagte: „Da bist du also. Komm mit, es ist wichtig.“
      Da stand eine uralte Katze mit rot-weiss gestreiftem Fell.
      Aus einem Grund, den das Katerchen nicht verstand, kam es ihm so vor, als würde es die Katze schon sehr lange kennen.
      Aber es sagte: „Dich hab ich noch nie gesehen, wer bist du?“
      „Wer ich bin? Ach ja, du kannst mich ja nicht kennen. Aber ich kenne dich schon lange. Nun, ich warte auf meinen Menschen, der auch dein Mensch ist.“
      „Ich habe keinen Menschen und ich wüsste auch nicht, wer das sein sollte.“
      Die alte Katze antwortete darauf nichts, sondern schlenderte langsam in Richtung der Klippen.
      Dann sagte sie: „Ich bin alt, sehr alt. Meine Lebenspanne dauerte nach der Zahl meiner Jahre weit über das Mass einer Katze hinaus. Und es gibt einen Grund, warum ich jetzt erst hierher gekommen bin und wir uns treffen. Aber diese Geschichte wird ein andermal erzählt werden, jetzt ist nicht die Zeit zum Geschichtenerzählen.“
      Langsam kletterten sie die Klippe hoch.
      Und wie sie hinabschauten, sass da ein uralter Mensch auf einem Felsen und schaute aufs Meere hinaus.
      Die alte Katze maunzte laut und rannte auf den Menschen zu.
      Und sie sprang an ihm hoch und schmiegte sich an ihn und schnurrte.
      Jetzt erkannte das Katerchen den Menschen: Es war der Herr, der sie unter dem Gebüsch hervorgeholt hatte, als sie so krank war. Es erinnerte sich an sein Gesicht und an seine Hände, aber sonst wusste es nichts, alle Erinnerung war dunkel.
      Aber nun, da es den Herrn sah, wusste es, dass dies sein Mensch war.
      Und der Herr nahm es in seine Hände und streichelte es und die alte Katze leckte ihm das Fell.
      Und zusammen gingen sie die Klippe hinauf und in das Land am Rande der Zeit.
      Und sie begrüssten alle Tiere freundlich.
      Dann wanderten sie weiter durch das Land, bis sie an die Waldigen Hügel kamen.
      Da stand einer am Waldrand, der sagte nichts und nickte ihnen zu.
      Sein Gesicht konnten sie nicht sehen, es war wie von einem hellen Leuchten verborgen.
      Dann hob er die Hand und zeigte in eine Richtung im Wald.
      Und der Herr und die beiden Katzen wussten, dass dies der Weg war, den sie gehen sollten.
      Da machten sie sich auf in die Richtung in die der Leuchtende gezeigt hatte.
      Wie lange sie gegangen waren wussten sie nicht, aber mit einem mal standen sie wieder am Meer. Nur waren diesmal keine Klippen da, sondern ein feiner Sandstrand.
      Und das Meer glänzte ruhig im Sonnenlicht.
      Und in einiger Entfernung war eine Brücke zu sehen, die in den Himmel ging.
      Diese Brücke war schöner als alle, die je von Menschenhänden gebaut worden war und sie schimmerte in allen Farben.
      Und die drei Wanderer wussten, ohne dass es ihnen jemand gesagt hätte, dass dies die Regenbogenbrücke war.
      Und wie sie auf die Brücke zugingen, schien es ihnen, dass sie die ganze Zeit nur darauf gewartet hätten, diesen Schritt zu tun.
      So gingen der Herr, die Katze und das Katerchen auf die Regenbogenbrücke und über die Regenbogenbrücke in den Himmel hinein und nie wieder wurden sie gesehen.
      Collateral Damage

      Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.
      Im Krieg mehr als in der Liebe.
      Wenn die Jagd einmal angeblasen ist gibt es kein Halten mehr.
      Wirklich keines.
      Ohne Rücksicht auf Verluste!
      *
      An warmen Sommertagen habe ich die Terrassentür offen.
      Damals war ich noch mit Janette zusammen und wir wohnten ebenerdig mit einem Gartenanteil.
      Miezka lümmelt sich unter einem Busch vor der Türe.
      Die Sonne scheint, die Vöglein singen.
      Eines dieser besagten Vöglein scheint jedoch gewisse Orientierungsschwierigkeiten zu haben.
      Wie dem auch sei, jedenfalls umschwirrte es den Busch unter dem sich Miezka niedergelassen hatte.
      Die, von dem fliegenden Objekt aufgestört, macht Anstalten, es zu fangen, was natürlich angesichts von dessen Flugkünsten kläglich scheitert.
      Das gefiederte Untier ergreift die Flucht.
      Nur leider in die falsche Richtung.
      Ehe man piep sagen kann, ist das Vogeltier im Wohnzimmer.
      Und Miezka hinterher.
      Der Vogel hat sich auf dem Schrank niedergelassen von wo aus er die prekäre Situation begutachtet.
      Miezka, als gelerntes Raubtier, hechtet ihm nach.
      In einem Sprung ist das nicht zu schaffen, daher wird der Umweg über den Esstisch und das Sideboard genommen.
      Völlig unerheblich, dass dabei diverse Gegenstände auf dem Tisch aus dem Gleichgewicht kommen.
      Noch ist nichts zu Bruch gegangen.
      Der Vogel sitzt immer noch auf dem Schrank, äugt misstrauisch herunter und beginnt mit Startvorbereitungen.
      Jetzt will ich aber Miezka einfangen, bevor noch ein Unglück passiert.
      Denn in deren Augen funkelt bereits pure Mordgier.
      Sie will sich nur nicht fangen lassen, sondern wagt sich mit einem Satz auf das Sideboard und springt dann sofort in Richtung Schrank.
      Die Blumenvase zerschellt am Boden, ebenso zwei Bilder.
      Scherben sollen ja Glück bringen, sagt man.
      Bevor Miezka jedoch den Schrank erreicht hat, ist der Vogel in Richtung Fenster geflohen.
      Es stört ihn nicht, dass dieses geschlossen und eine Gardine davor ist.
      Viel Intelligenz scheint er nicht zu haben, da ja die Terrassentür immer noch offen ist.
      Jetzt hat sich der Gefiederte in der Gardine verheddert.
      Bevor ich ihm zu Hilfe kommen kann, ist Miezka vom Schrank runter und hängt mach einem rekordverdächtigen Sprint ebenfalls in der Gardine.
      Nur ist sie kein kraftloses Flattertier.
      Ausserdem sind Feliden mit scharfen Krallen bewehrt.
      Es können auch Rasierklingen sein, da bin ich mir nicht so sicher.
      Der Kampf zwischen Krallen und Gardine geht jedenfalls zu ungunsten der Gardine aus.
      Janette, durch den Krach ihrer Lieblingslektüre gestört, kommt vom Garten herein und kann erst mal mit der Situation nichts anfangen. Sie ist entsetzt.
      „Nimm sie sofort vom Vorhang!“
      Sie meint Miezka.
      Nur hat eben diese Miezka den festen Willen, das fliegende Häppchen zu erwischen und wehrt sich vehement, was der Gardine einige weitere Designeraccessoires beschert.
      Aber wir wollten sowieso neue Putzlappen beschaffen.
      Endlich hab ich das gierige Fellbündel aus dem Vorhang geholt.
      Deren Blick ist immer noch erwartungsvoll auf den Vogel gerichtet.
      Den hat Janette anschliessend aus seinem textilen Gefängnis befreit.
      Die Gardine hat nicht mehr Ähnlichkeit mit einer solchen.
      Während Janette auf die Terrasse geht schleicht Miezka mit heimtückischem Blick um sie herum.
      Auf der Terrasse lässt Janette den Vogel fliegen.
      Miezka schaut ihm noch lange nach.
      Sieht ihn den Himmel erklimmen.
      Bis die Konturen nach und nach
      Ganz im Azurblau verschwimmen.
      Ihre Augen haben schon
      Jenen dunklen Punkt verloren.
      Sein Piepsen klingt noch monoton
      Tief in ihren Ohren.
      Leis durchstreift der Wind die Bäume
      In den Gipfel weit dort oben
      Miezka hat jetzt Vogelträume
      Sie wär’ gern nachgeflogen.
      Alle Vöglein sind schon da

      Die Avoiden haben die Welt erobert.
      Bis sie auf die Feliden stiessen.
      Seitdem herrscht Krieg zwischen Katzen und Vögeln.
      Und wie in jedem Krieg, gibt es auch hier lange Phasen des Wartens.
      Aber dann....
      *
      Es war September und noch halbwegs warm.
      Wieder einmal bin ich mit Miezka am Fluss.
      Nach ihrer Erfahrung mit Vögeln interessiert sie sich nicht mehr nur für Schmetterlinge, sondern schaut auch jedem Vogel begehrlich nach.
      Aber anders als bei Hunden hat sie bis jetzt hat sie bis jetzt bei der Vogelhatz noch keinen Erfolg gehabt.
      Jedoch wäre es zu schön, wenn man eine solche Nachspeise zwischen die Krallen bekommen könnte.
      Leider hat die Nachspeise den unbestreitbaren Vorteil, fliegen zu können, was Miezka aber nicht davon abhält, begierig danach Ausschau zu halten.
      Mangels der Erreichbarkeit der Jagdbeute begnügt sie sich damit, einige Käfer bei ihrem Liebesspiel zu stören.
      Sollte man nicht glauben, dass sie jetzt plötzlich zum Moralapostel mutiert.
      Und weiter geht der Weg.
      Alles mögliche wird untersucht und zwischendurch mal nach Dosi geschaut.
      Der Weg führt am Fluss entlang und ist auf der linken Seite von Bäumen gesäumt.
      Es sind genau diese Bäume die plötzlich ihre Aufmerksamkeit erregen.
      Irgend etwas ist da.
      Miezka nimmt ihre Lauerstellung ein.
      Die Ohren sind voll nach oben gerichtet.
      Von dort ist ein Rascheln zu hören.
      Ein kurzer Sprint und Miezka ist schon auf halber Höhe des Stammes.
      Im Geäst beginnt ein Gezeter und Gekrächze.
      Miezka stutzt und ist wie der Blitz vom Baum runter.
      Da kommen sie!
      Vier grosse Krähen.
      Wie schwarze Lastensegler kreisen sie über dem Kätzchen.
      Mit grossem „Miauuuu!!!!“ rennt sie auf mich zu und springt an mir hoch.
      Ich kann sie gerade noch aufnehmen als die gegnerische Luftflotte mit lautem Gekrächze im Tiefflug 30 Zentimeter über meinem Kopf hinwegstreicht.
      Vor deren spitzer Bewaffnung habe ich schon einen gewissen Respekt.
      Miezka, inzwischen in der Sicherheit von Dosi, geht zum Gegenangriff über.
      Zumindest akustisch.
      Sie sträubt das Fell und faucht, was das Zeug hält.
      Nur lassen sich die Krähen davon wenig beeindrucken.
      Sie drehen eine Warteschleife und setzen erneut zum Sturzflug an.
      Angesichts der gegnerischen Luftüberlegenheit erwäge ich einen sofortigen taktischen Rückzug.
      Die Biester können unangenehm werden, nach allem was man so hört.
      Miezka drückt sich an mich, während ich langsam Schritt für Schritt rückwärts von der Gefahrenzone abzusetzen versuche.
      Nur scheinen die Sturzkampfbomber ihr Hoheitsgebiet ziemlich weit gesteckt zu haben.
      Sie verfolgen uns.
      Alfred Hitchcock lässt grüssen!
      Unter immer agressiverem Fauchen drückt sich Miezka immer enger an mich.
      Und immer wieder werden gewagte Fugmanöver über unseren Köpfen zelebriert.
      Jetzt müssen sofort massive Defensivmassnahmen ergriffen werden.
      Mit einer Hand nestle ich den Hosengürtel auf und ziehe den Gürtel heraus.
      Die andere hält Miezka fest.
      Der Gürtel erweist sich geschwungen als wirkungsvolle Waffe.
      Zwar erwische ich keins der schwarzen Biester, aber jetzt halten sie respektvollen Abstand.
      Miezka faucht immer noch und sträubt sich.
      Dann sehen die fliegenden Festungen ein, dass nichts mehr für sie zu holen ist und entfernen sich laut krächzend in immer weiteren Kreisen.
      Seit diesem Vorfall schaut Miezka zwar immer noch mit verklärtem Blick nach dem Vogelvolk, zollt ihm jedoch den notwendigen Respekt.
      Jedenfalls solange bis sie sich Flügel wachsen lässt.
      Viel eher als an Regentagen

      Fellnasen seien saubere Tiere, sagt man.
      Ich kann das in vollem Umfang bestätigen.
      Miezka muss nie in die Wanne.
      Ausgenommen wenn es regnet und wenn es nicht regnet.
      *
      Es war einer jener trüben, regnerischen Tage, an denen man keinen Hund vor die Tür jagen würde..
      Hunde, von Katzen ist nicht die Reden.
      Diese muss man nicht raus jagen, sie gehen und kommen wie es ihnen beliebt.
      So auch Miezka.
      Nur an richtigen Regentagen geht sie nicht raus.
      Dafür habe ich vollstes Verständnis.
      Aber wenn sie draußen ist an solchen trüben Tagen, habe ich Zeit, die Wohnung sauber zu machen.
      Also mache ich mich daran, die Bude in Ordnung zu bringen.
      Das ist schnell erledigt, dann kann ich die Beine hochlegen.
      Unglaublich, wie viel sich in einigen Tagen ansammeln kann.
      Nach 4 Stunden intensiver Putzerei ist alles soweit erledigt.
      Ah, endlich mal Erholung.
      Etwas Musik.
      Während ich mich den Songs von Meat Loaf hingebe, durchbricht als klappernde Dissonanz das Geräusch der Katzenklappe die orchestralischen Klänge.
      Aha, die Haustigerin ist zurück.
      Und natürlich begrüsst sie mich sofort.
      Sofort?
      Diesmal nicht.
      Erst mal setzt sie sich mitten auf den besten Polsterstuhl und beginnt sich ausgiebig zu putzen.
      Wie gesagt, Katzen sind sehr reinlich und dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden.
      Aber nicht so wie sie aussieht....
      Ich weis nicht, wo sich Miezka rumgetrieben hat, aber genau nach „rumgetrieben“ sieht sie aus.
      Vermutlich hat sie sich in jeder Pfütze und in jedem Schlammloch in der Umgebung gesuhlt.
      Hab ich eine Katze oder ein Hausschwein?
      Wie’s aussieht, eher das zweite.
      Dreck soll gesund sein, der steigt durch die Haarwurzeln nach unten und düngt das Gehirn.
      Die Spuren auf dem Boden sind auch nicht zu übersehen.
      4 (!) Stunden Putzen!
      Buchstäblich für die Katz!
      Aber genau diese Katz schert sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Dreck darum und fährt ungeachtet meines Entsetzens mit ihrer intensiven Fellpflege fort.
      Jetzt wird aber kurzer Prozess gemacht!
      Miezka kommt in die Wanne und wird gründlich gereinigt.
      Nur scheint da Miezka anderer Meinung zu sein.
      Greifen kann ich sie noch.
      Ins Bad tragen geht auch noch.
      In der Wanne zeigt sie bereits deutlichen Unwillen.
      Aber als das Wasser läuft, entwickelt sie ungeahnte Fähigkeiten.
      Es kann aber auch sein, dass sie irgendwo Kerosin getrunken hat, so schnell wie sie aus dem Bad draussen war.
      Also geht’s auf Grosswildjagd.
      Als erstes wird die Katzenklappe verriegelt, sonst spielt sie noch Richard Kimble.
      Aber wo hat sich die krallenbewehrte Dreckschleuder versteckt?
      Eine penible Durchsuchung des Wohnzimmers zeitigt keine verwertbare Ergebnisse.
      Halt, Schlafzimmer, im Bett ist sie auch gerne.
      Fehlanzeige.
      Aus der Wohnung kann sie nicht.
      Bleibt nur noch der Abstellraum.
      Und genau da liegt sie, auf der frischgewaschenen und zum bügeln bereitgestellten Wäsche, ausgiebig mit Fellputzarbeiten beschäftigt.
      Das Unschuldslamm.
      Mietz, Mietz, komm.
      Sie scheint taub geworden zu sein.
      Ihr Blick drückt tiefste Verachtung für mich aus.
      Auch vorsichtige Annäherung wird brüsk durch warnendes Fauchen zurückgewiesen.
      Nur ein schneller Griff ins Genickfell hilft und ich hab sie endlich.
      Ab ins Bad.
      Die folgende Szene möchte ich dem geneigten Leser nicht zumuten.
      Auf jeden Fall war Miezka anschliessend sauber.
      Die Zahnputzbecher kann man ersetzen.
      Und neues Pflaster wollte ich sowieso kaufen.
      Schwieriger war dann schon, alle Blutspritzer zu entfernen.
      Nachdem ich mich verarztet hatte, kehrte erst mal Ruhe ein.
      Miezka spielte erst mal beleidigte Leberwurst.
      Soll sie, das beruhigt sich wieder.
      Es wird ihr hoffentlich eine Lehre sein und sie wird in Zukunft auf die Notwendigkeit solcher Gladiatorenkämpfe verzichten.
      Seitdem ist einige Zeit vergangen, aber ich erinnere mich immer noch gut daran, besonders an regenerischen Tagen.
      Jedenfalls eher als an Regentagen
      Glockenspiele

      Katzen sind sehr verspielt, ohne Zweifel.
      Sie spielen mit allem, was sie in die Krallen bekommen, ohne Rücksicht auf das Objekt.
      Und je mehr man es ihnen verwehrt, desto intensiver sind sie interessiert.
      So auch Miezka.
      Das folgende dokumentiert einen solchen Spielablauf.
      Ich weiss nicht genau, wie ich es ausdrücken soll.
      Es berührt, wie soll ich sagen, ein etwas delikates Thema.
      *
      Die ganze Nacht schon hatte Miezka keine Ruhe gegeben.
      2 Uhr, aufwachen, spielen.
      Na gut, aber dann lässt du mich weiterschlafen.
      4 Uhr, aufwachen, spielen.
      Wenn’s denn sein muss.
      Total gerädert stehe ich um 7Uhr auf, um 9:30 Uhr muss ich in Karlsruhe sein.
      Das morgendliche Ritual nimmt seinen Lauf.
      Erst muss Dosi den Futternapf füllen, dann auf die Toilette.
      Anschliessend unter die Dusche.
      Ich weiss nicht wie andere es so halten, aber ich steige normalerweise unbekleidet in die Dusche.
      Miezka sitzt derweil auf der kleinen Ablage und schaut dem Ganzen zu.
      Dann vor den Spiegel, Zähneputzen.
      Das Urwaldgestrüpp in meinem Gesicht muss auch weg, ich will ja nicht aussehen wie ein biblischer Prophet.
      Seit einiger Zeit bin ich stolzer Besitzer eines dieser praktischen Akkurasierer.
      Also, Ladekabel ausgesteckt und los geht’s mit dem Rasenmähen.
      Miezka beginnt mit dem herunterhängenden Ladekabel zu spielen.
      Das habe ich jetzt weniger gern.
      Ergo wird das Ladekabel auf die höhere Ablage gelegt.
      Miezka, ihres Spielzeuges beraubt, springt auf den Boden.
      Und weiter geht’s mit der hairstylistischen Gesichtstrimmung.
      Miezka streicht mir um die Beine.
      Der Rasierer brummt vor sich hin.
      Sie will immer noch spielen.
      Aber ja, doch, wenn ich fertig bin.
      Mit einem Mal durch durchfährt mich ein Schmerz.
      „Auuuu!!!!!!“
      Nicht irgendwie.
      Nicht irgendwo.
      Er durchfährt mich an empfindlicher Stelle.
      An sehr empfindlicher Stelle.
      In extrem kurzen Abständen.
      Katzen lieben Dinge, die baumeln.
      Sie lieben sie mit voll ausgefahrenen Kallen.
      Ist mir ja egal, wenn es ein Plüschtier ist, aber an besagter Stelle befindet sich alles andere als ein Plüschtier.
      Die blutigen Kratzer sind jedenfalls nicht zu übersehen.
      Und es schmerzt.
      Der Schrei, den ich bei der liebvollen Annäherung ausgestossen habe, hat Miezka ziemlich erschreckt.
      Sie lässt sofort von ihrem neuen Spielzeug ab und flüchtet auf die Ablage.
      Da sitzt sie und kann kein Wässerchen trüben.
      Wenn ich will, kann ich lästerlich fluchen und genau danach ist mir jetzt.
      Himmelherrgottsakramentleckmichamarschscheisglumpverecktes!
      Irgendwie schaut das Katzentier jetzt ziemlich belämmert und schuldbewusst aus.
      So, als wüsste sie, dass sie an besagter Stelle nichts zu suchen hat.
      Ich jedenfalls muss mich erst mal verarzten.
      Die Schilderung dieser etwas unangenehmen Prozedur überlasse ich lieber der Phantasie des Lesers.
      Und ich vermute auch, dass ich am Abend Katharina gegenüber in einem gewissen Erklärungsnotstand bin.
      Miezka beeindruckt das ziemlich wenig, sie scheint sagen zu wollen: „Ich weiss nicht was du überhaupt willst.“
      Ich will dass sie spielt, aber nicht mit Dingen, die ihr nicht zustehen.
      Wird sie das begreifen?
      Will sie das überhaupt begreifen?
      Wenn nicht, bleibt mir nur noch, das Badezimmer in Zukunft in einer mittelalterlichen Rüstung zu betreten.
      Wen die Muse küsst

      Die moderne Mikroelektronik beschert uns immer neue Wunder.
      Wo sich vorher noch gigantische Kunststoffscheiben auf riesigen Plattentellern drehten, gibt es heute das unsichtbare Zauberwort mp3.
      Und dem Einfallsreichtum überbezahlter Marketingstrategen ist es auch zu verdanken, dass wir die Genüsse früherer Zeiten in diesem mikrominiaturisiertem Format geniessen dürfen.
      Sie haben nur nicht mit fellbesetzten Plattenjägern gerechnet.
      *
      Ich höre gern Musik.
      Zu den Klängen von Pink Floyd und Abba kann man herrlich entspannen.
      Leider war es aber nicht möglich, meine Plattensammlung, die im Laufe der Jahre immens angewachsen war, weiterhin anzuhören.
      Die vom Plattenspieler produzierten Genüsse erinnerten immer mehr an ein quietschendes Scheunentor.
      Was soll’s ich stelle sowieso seit längerem langsam auf die modernere Compact Disk um.
      Ausserdem gibt es fast keine neuen Platten in Vinyl mehr.
      Allerdings ergibt sich nach einiger Zeit ein organisatorisches Problem.
      Einige Platten der Sammlung sind nicht auf CD erhältlich.
      Nach intensiver Meditation finde ich einen gangbaren Ausweg.
      Der besteht in der Anschaffung eines mp3-fähigen Plattenspielers.
      Dieses ultimate Hitech-Gerät soll, unbestätigten Meldungen zufolge, tatsächlich in der Lage sein, die geliebten Oldies auf den heimischen Personal Computer zu übertragen.
      Ich beschloss also, in Elektronikmarkt meines Vertrauens ein solches Gerät zu erwerben.
      Zuhause angekommen ging’s erst mal an auspacken.
      Nun ergab sich ein weiteres Problem: Wohin mit dem technischen Monstrum?
      Aber was soll’s, es ist ja nur so lange, bis die Platten überspielt sind.
      Also kommt’s auf den Wohnzimmertisch und wird verkabelt.
      Die beigelegte Anleitung brauche ich nicht, die ist sowieso auf Kishuaheli oder einer anderen mir nicht geläufigen Sprache.
      Dann kommt die Stunde der Wahrheit.
      Vorsichtig den wertvollen Tonträger auflegen.
      Miezka schaut derweil dem Treiben interessiert zu.
      Alles ist eingestellt, es kann losgehen.
      Sanft durchwogen die zarten Klänge einer amerikanischen Rockband meine Räumlichkeiten.
      Miezka hat alles beschnuppert und sich dann dezent in ihre Katzenhöhle zurückgezogen, von wo aus sie das Treiben beobachten kann.
      Nun ist es ja so, dass die moderne Computertechnologie mit einer Geschwindigkeit arbeitet, welche diejenige eines Michael Schuhmachers bei weitem übertrifft.
      Nur die urtümlichen Monsterplattenspieler bremsen mit ihrer Steinzeittechnik den modernen Kabelsalat auf brutalste Weise aus.
      Will heissen, die Sache wird einige Zeit dauern.
      Also habe ich Muse, mir ein Buch vorzunehmen.
      Ich mach mir’s also gemütlich und vertiefe mich in Stanislav Lem’s literarische Ergüsse.
      Wie ich gerade an der Stelle bin, an der jener berüchtigte Planet namens Matrizius Löcherlich verhaftet werden soll, gerät die Bassdrum des Musikstückes aus dem Takt.
      Neu gekauft und schon ein Garantiefall!
      Die gehören verklagt!
      Aber die dissonanten Töne haben eine andere Ursache.
      Miezka, angelockt vom Geschehen auf dem Tisch, inspiziert die rotierende Scheibe intensiv.
      Da die keine Anstalten macht, ihre Karussellfahrten zu beenden, wird eben nachgeholfen.
      So ein Pfotendruck bewirkt schon eine gewisse Abbremsung des Geschehens.
      Nur nimmt erstaunlicherweise die Maschine ihre Umdrehungen wieder auf, wenn die Pfote entfernt ist.
      Also noch mal.
      Und noch mal.
      Gelobt sei Dosi, er hat ein neues Spielzeug angeschafft.
      Dosi ist aber not amused über diese eigenwillige Musikinterpretation.
      Miezka wird sanft hochgehoben, bekommt einige Streicheleinheiten und wird zum Katzenkörbchen getragen.
      Miau!
      Ich vertiefe mich wieder in „Die Waschmaschinentragödie“.
      Gerade wird darüber debattiert, ob man einen Planeten verhaften kann, als wieder etwas unrhythmisches aus den Boxen tönt.
      Miezka drückt wieder ihr musikalisches Missfallen aus.
      Kurzzeitig läuft der Plattenteller auch mal ein Stück rückwärts.
      Dieses, scratchen genannte Verfahren, ist in einschlägigen Musikerkreisen sehr beliebt.
      Wahrscheinlich steht Miezka mehr auf Techno, Hipp-Hop oder so.
      Nur sind wertvolle Sammlerplatten dazu wenig geeignet.
      Der Plattenspieler kommt also in einen stabilen, verschlossenen Karton, wo er weiter gleichmässig vor sich hinrotiert.
      Miezka jedenfalls sitzt vor dem Karton und denkt sich eine neue Strategie für den nächsten Musikgenuss aus.
      Ein richtiges Supertalent.
      Sie stellt womöglich Überlegungen über eine Karriere in der Musikerszene an.
      Soll sie, ich werde sowieso demnächst mit ihr bei Dieter Bohlen vorstellig werden.
      Besuch der alten Dame

      Auge um Auge, Zahn um Zahn, heisst es schon seit Urzeiten.
      Und tatsächlich ist der Mensch in seinen Rachegelüsten bereit, aus geringstem Anlass mit dem gröbsten Holzhammer zuzuschlagen.
      Die Methoden unserer Fellnasen sind da schon etwas subtiler.
      Und wie es aussieht auch ziemlich effektiv......
      *
      Ich beschloss, wieder einmal meine Mutter besuchen.
      Sie geht langsam auf die 80 zu und wohnt über 200 Km von mir weg, daher sehe ich sie nicht oft.
      Und natürlich ist Miezka mit von der Partie.
      Sie kennt mittlerweile das Reisen und ist immer dabei, wenn ich unterwegs bin.
      Hinter dem Fahrersitz ist ein Netz quer gespannt, so dass sie nicht die ganze Zeit in der Transportbox verbringen muss.
      Die meiste Zeit schaut sie sowieso aus dem Fenster.
      Nach 3 Stunden kommen wir an.
      Erst mal Begrüssung, dann das übliche „Wie geht’s dir?“.
      Kaffe und Kuchen stehen schon bereit, obwohl ich nicht unbedingt ein Freund solcherart inszenierten Smalltalks bin.
      Na ja, was soll’s.
      Nach einiger Zeit eröffnet sie, dass Lotte auch noch kommt.
      Lotte ist eine Freundin meiner Mutter und kommt sporadisch zu Besuch.
      Ich kenne sie schon seit meiner Kindheit und mittlerweile hat sie die Ausmasse einer wagnerschen Walküre angenommen.
      Während wir uns an den Kaffeetisch setzen erkundet Miezka ausgiebig das Haus.
      Eine halbe Stunde später klingelt es und die Walküre steht vor der Tür.
      Hach, und lange nicht gesehen, wie geht’s und was machst du und bla, bla, bla.....
      Die Garderobe ist voll, also legt sie ihren Mantel auf die Couch.
      Miezka ist zurück und beäugt sie neugierig.
      „Ach, du hast eine Katze.“
      „Kratzt die?“
      „Miez, miez, miez“
      Antwort: „Miauuuu“
      Jetzt wird Miezka zutraulicher.
      „Miauuu“
      „Miez, miez miez“
      Mit einem Satz springt sie auf Walküre’s Schoss.
      Die ist nicht unbedingt erfreut.
      „Ihhh, Katzenhaare“
      Bevor ich eingreifen kann, befördert sie Miezka recht unsanft auf den Boden.
      Die zieht beleidigt ab.
      Soweit, so ungut.
      Nächste Talkrunde.
      „Wie viel Zucker in den Kaffee?“
      „Möchtest du Sahne?“
      Sahne ist das Stichwort.
      Miezka auf dem Stuhl, Miezka auf dem Tisch, da ist sie fix.
      Die Sahne ist ja auch sooooo verlockend.
      Lotte wird jetzt ungehalten.
      Das darf man nicht dulden, unhygienisch, ausserdem, Tiere auf dem Tisch und bla und bla und bla....
      Lotte steigert sich in einen bühnenreifen Monolog mit zunehmender akustischer Präsenz.
      Nachdem sie sich beruhigt hat, Talkrunde Nummer drei.
      Nach einiger Zeit beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie Miezka langsam wieder ins Zimmer schleicht und sich’s auf Lotte’s Mantel häuslich einrichtet.
      Vorsichtshalber habe ich für mich mal auf stumm geschaltet.
      Und weiter geht der Smalltalk.
      Nach einiger Zeit steht Miezka auf, buckelt sich leicht und setzt sich nur halb hin.
      Oh, diese Körperhaltung kenn ich....
      Die Damen, in tiefen philosophischen Ausführungen darüber vertieft, wer alles gestorben, verheiratet und geboren ist, bemerken nichts.
      Nach einigen Sekunden steht Miezka wieder auf, zwei kurze Scharrer mit den Hinterpfoten und weg ist sie.
      Zurück bleibt auf dem Mantel ein feuchter, dunkler Fleck auf hellem Grund.
      Sehr dekorativ.
      Ich kann mir ein Grinsen fast nicht verkneifen.
      Als Lotte später wieder geht, bemerkt sie den Fleck, ihr Gesicht nimmt die Farbe eines gekochten Krebses an und sie rauscht, ohne sich von mir zu verabschieden, ab.
      Seitdem hab ich sie zweimal gesehen, aber aus einem mir unerfindlichen Grund redet sie nicht mehr mit mir.
      Auf der Rückfahrt erleuchtete der Heiligenschein um Miezkas Kopf das ganze Fahrzeug.
      Es kann aber auch ein Scheinheiligenschein gewesen sein.
      A la Carte

      Man ist, was man isst, so behauptet ein Sprichwort.
      Zum Beispiel ist der bambussprossenfressende Teil der Weltbevölkerung ganz klar als Pandabär definiert.
      Und alle Raubkatzen sind Fleischfresser.
      Was allerdings Miezka und ihre kulinarische Vorlieben betrifft, so erinnern diese eher an eine eierlegende Wollmilchsau.
      *
      Mäuse, so ist allgemein bekannt, stehen auf Käse.
      Ich bin keine Maus, aber auch kein Käseverachter.
      Zum Frühstück gibt’s bei mir ausser dem obligatorischen Kaffee immer Brötchen, Wurst und Käse.
      Gemütlich habe ich mich hingesetzt, als ein Summen ertönt.
      Ah, das Frühstücksei ist fertig.
      Also in die Küche, Ei aus dem Eierkocher, kurz abgeschreckt und dann geht’s ans Frühstück.
      Aber, Moment, ich hatte mir doch traditionell zwei Käsescheiben auf Teller gelegt.
      Na ja, es ist noch früh am Morgen und wahrscheinlich bin ich noch halb im Schlaf.
      Also noch mal in die Küche und die zweite Käsescheibe geholt.
      Zurück am Tisch zeigt sich ein paranormales Phänomen.
      Auf dem Teller ist keine Käsescheibe mehr.
      Weg.
      In Luft aufgelöst.
      War Uri Geller hier?
      Des Rätsels Lösung bieten leise schmatzende Geräusche hinter der Couch.
      Miezka hat sich wohl während meiner Stippvisite in der Küche über den Käse hergemacht.
      Diese katzenmässige Geschmacksverirrung versetzt mich dann doch in nicht unerhebliches Erstaunen, bin ich doch bisher davon ausgegangen, dass die Produkte von Wiskas und Konsorten Miezkas Lieblingsspeise wären.
      Sie schaut mich mit ihrem lass-mich-Ruhe-Blick an und widmet sich wieder der restlichen Käsescheibe.
      Na gut, ich bin kein Unmensch, wenn Kätzchen Käse will, soll sie eben Käse haben, es ist noch genug da.
      Soweit, so schmackhaft.
      Abends wird es später und ich habe keine Lust mehr auf eine grosse Kochaktion.
      Schau’n wir doch mal was schnell geht.
      Hmmm... Spagetti wäre nicht schlecht.
      Und dazu ohne viel Aufwand Tomatensosse.
      Die Spagetti köcheln so vor sich hin und Miezka faulenzt auf der Couch.
      Jetzt hab ich aber einen Riesenhunger.
      Also Spagetti auf den Tisch, dann noch die Tomatensosse abschmecken.
      Zurück am Esstisch, finde ich Miezka auf dem Tisch, genüsslich einen Spagetti verzehrend!
      Pur, ohne was dran!
      Langsam kommen mir Zweifel, ob sie wirklich eine Katze ist.
      Sie könnte auch eine verkappte Italienerin sein.
      Dann kam der Umzug.
      Wer jemals umgezogen ist, und ich vermute, das sind die meisten, weiss, was es für eine Arbeit ist, den ganzen unnützen Krempel aus der Wohnung zu tragen und in die Neue einzuräumen.
      An Kochen ist da nicht mehr zu denken.
      Als Kompromiss gibt es Ravioli kalt.
      Also so zwischendurch mal immer eine Gabel voll und dann die nächsten Kartons.
      Bei der dritten Fuhre finde ich Miezka auf dem provisorischen Beistelltisch, genüsslich die restlichen Ravioli verzehrend.
      Ihr Napf mit dem Katzenfutter steht unbeachtet auf dem Boden.
      Nun ja, sie ist vielleicht durch den Umzug etwas durcheinander.
      Und tatsächlich geht sie dann wieder zu ihren normalen Essensgewohnheiten über.
      Die ganze Sache hätte ich vergessen, wäre ich nicht nach einigen Wochen auf die glorreiche Idee gekommen, mir eine Schüssel Kartoffelsalat zu machen.
      Die Kartoffeln sind fertig gekocht und geschält und stehen, während ich Zwiebeln schneide, zum abkühlen auf dem Tisch.
      Noch einiges andere ist zu erledigen, das Kochgeschirr saubermachen und was der sonstigen Küchenarbeit Dinge noch mehr sind.
      Zwischenzeitlich dürften die Kartoffeln abgekühlt sein.
      Also auf zum fröhlichen Kartoffelschneiden.
      Was ich sehe, als ich ins Wohnzimmer kam, konnte ich fast nicht glauben!
      Miezka hat eine kleinere Kartoffel aus der Schüssel herausgeholt und spielt mit ihr.
      Aber nicht genug damit, sie knappert auch noch daran!
      Das ist völlig unmöglich, Katzen essen keine Kartoffeln, ob roh oder gekocht.
      So langsam sollte ich mich damit abfinden, einen allesfressenden Vielfrass im Haus durchzufüttern.
      Der Gipfel des Ganzen ergab sich aber vor einem halben Jahr.
      Ich hatte wieder mal keine Lust, den 5-Sterne-Koch zu spielen und habe mir deshalb eine Pizza bestellt.
      Beim Verzehr derselben springt Miezka auf den Tisch und beginnt wieder ihre allseits beliebte Bettelaktion.
      Na, da wollen wir doch mal sehen ob dir das auch schmeckt.
      Also ein kleines Stück Pizza auf einen Unterteller, mal sehen, was passiert.
      Miezka ist interessiert, aber anscheinend hat sie was gegen die heisse Pizza.
      Gosses Miau!
      Genüsslich vertilge ich die italienische Spezialität.
      Währenddessen scheint das Stück auf dem Unterteller genügend abgekühlt zu sein.
      Und tatsächlich macht sie sich über die Pizza her, mit Ausnahme der darauf dekorativ angeordneten Pilze.
      Vielleicht denkt sie, deren Rezept käme aus einem Kriminalroman.
      Das ist der aktuelle Stand der Katzenverpflegung.
      Nur Süsses verschmäht sie mit Vehemenz.
      Natürlich bekommt sie weiterhin ihr Dosenfutter.
      In der Hinsicht bleibe ich hart.
      Aber was die Zukunft bringt, kann ich nicht sagen.
      Wenn also der geneigte Leser demnächst eine rot-weis getigerte Katzendame in einem exklusiven Gourmettempel dinieren sieht, sollte mich das nicht verwundern.
      Benachrichtigen sie mich einfach, betreffs Rechnung und Trinkgeld.
      Katzenjammer

      Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, steht Miezka auf Musik.
      Sie tut alles, um ihren jeweiligen Musikgeschmack kundzutun.
      Wirklich alles.
      Peinlichkeiten eingeschlossen.
      *
      An jenem Tag Anfang Dezember war ich wegen einer Routineimpfung mit Miezka abends noch beim Tierarzt.
      Dazu ist keine Transportbox notwendig.
      Ich habe eine dieser praktischen aufrollbaren Leinen.
      Ausserdem will Miezka in dem beginnenden weihnachtlichen Trubel sowieso lieber getragen werden.
      Der Weg führt durch die Innenstadt, wo vor einigen Tagen der Weihnachtsmarkt begonnen hat.
      Nun bin ich ja nicht unbedingt ein Freund solcherart weihnachtlich kommerzialisierter Institutionen, aber ein Glas Glühwein könnte man sich ja schon zu Gemüte führen.
      Alles auf der Welt ist im wachsen begriffen, warum sollten da die Preise für Glühwein eine Ausnahme machen?
      Ausserdem findet der weihnachtliche Menschenauflauf nur einmal im Jahr statt, also, was soll’s.
      Miezka auf dem Arm stelle ich mich an einem Glühweinstand an, die verwunderte Blicke meiner Mitmenschen ignorierend.
      Es gibt hier auch einige Stehtische, um die sich das Weihnachtsvolk glühweinschlürfend versammelt.
      Miezka schaut aufmerksam in die Runde, lässt sich aber ansonsten nicht stören.
      Jetzt bin ich doch einigen Fragen ausgesetzt.
      „Ja, Katze an der Leine, wie kommt’s?“, und Ähnliches.
      Während des beginnenden Gesprächs erklingt mit einem mal eine Melodie.
      Einige Meter weiter, neben dem Eingang zum Rathaus, hat sich einer mit einer Geige postiert und beginnt zu spielen.
      Der, ein Junge von etwa 12 Jahren, intoniert gerade „Stille Nacht, Heilige Nacht“.
      Schnell bildet sich ein Kreis um ihn, zu dem ich ebenfalls gehöre.
      Weihnachtsstimmung eben.
      Der Junge spielt nicht gerade wie ein Stargeiger, aber doch so halbwegs passabel.
      Glaubte ich.
      Ergriffen lauschen wir alle den Tönen.
      Eben setzt er zur zweiten Strophe an.
      Da ertönt von meinem Arm ein langgezogenes, lautes „Miauuuuuuu!!!!!!!!“
      Einige Köpfe wenden sich mir zu.
      Der Geiger fährt in seiner Interpretation fort.
      „Miauuuuuuu!!!!!“
      Will Miezka etwa runter vom Arm?
      Nein, sie macht keine Anstalten.
      „Miauuuuuuu!!!!!“
      Unüberhörbar.
      Einige der Anwesenden beginnen jetzt verschämt zu grinsen.
      „Miauuuuuuu!!!!!“
      Der Stehgeiger zeigt jetzt eine leichte Irritation.
      Er hat wohl nicht mit Begleitgesang gerechnet.
      „Miauuuuuuu!!!!!“
      Das war eines zuviel!
      Einige Leute beginnen lauthals zu lachen.
      Immer mehr falsche Töne kommen aus dem Saiteninstrument.
      Anstelle spiritueller Ergriffenheit macht sich nun allgemeine Heiterkeit unter den Zuhörern breit.
      Schliesslich bricht der Spieler seine Darbietung ab
      Kaum hat die musikalische Berieselung aufgehört, stellt auch Miezka ihre Kommentare ein.
      Der Junge packt seine Geige ein und verschindet mit hochrotem Kopf in der Menge.
      Er tut mir richtig leid, aber was kann ich tun?
      Jedenfalls hat Miezka die Lacher auf ihrer Seite.
      In dem Gewühl kann ich mich dann auch fast unauffällig verdrücken.
      Miezka jedenfalls lässt sich bis heute durch nichts zu einer Übersetzung ihrer Äusserungen ins Deutsche überreden.
      Aber was soll’s, wenn sie bei Dieter Bohlen nicht als Superstar durchgeht, dann vielleicht in seiner Jury.

      Wer zuletzt kommt

      Wer zuletzt kommt...

      Das Gesetz des Dschungels ist hart.
      Fressen und gefressen werden ist die Devise.
      Und wer nicht rechtzeitig kommt, muss sehen was übrigbleibt.
      Es sei denn, es gibt einen gerechten Lohn für die Warterei.
      *
      Wieder einmal war es ein sehr sonniger Tag.
      Wir hatten’s uns im Garten bequem gemacht, mit kühlen Drinks und allem was dazugehört.
      Ganz leise dödeln die Rolling Stones aus unserem tragbaren CD-Player.
      Lesematerial liegt zuhauf im Gras.
      Miezka streicht um das Gebüsch am Rande der Steine, die unseren Gartenanteil begrenzten.
      Das sind diese unhandlichen Felsbrocken, von niedrigen Kleingewächsen durchzogen.
      Auch die werden durch die Sonne ziemlich aufgeheizt.
      Ach, herrlich ist das, endlich mal ein paar Tage Ruhe.
      Die ansonsten friedliche Szenerie wird nur ab und zu durch eines dieser schweren Motorräder gestört, die mit voll aufgedrehtem Gashahn und dem Geräusch eines startenden Jumbo-Jets die entfernte Hauptstrasse heraufdonnern.
      Ursprünglich wollten wir auch so eine Tour machen, aber bei der Hitze in den Lederkombi?
      Nein danke.
      Auch Miezka ist dieser Meinung, denn mit einem Mal legt sie sich ganz flach nieder.
      Ganz ruhig und völlig bewegungslos.
      Die Ohren sind erwartungsvoll nach vorne gerichtet.
      Direkt auf die Felswüste.
      Sie hat etwas entdeckt.
      Jetzt wird nicht nur Miezka neugierig, sondern Meinereiner ebenso.
      Vorsichtig will ich mal das Objekt ihrer Neugier von nahem beschauen.
      Also begebe ich mich ganz langsam und vorsichtig in ihre Richtung.
      Na, was haben wir den da?.
      Über einen der Felsen schleppt sich ahnungslos ein grosser schwarzer Käfer.
      Miezka beobachtet jede seiner Bewegungen.
      Jeden Moment kann sie zuschlagen, dann ist’s vorbei mit der Käferkabbelei.
      Ganz still folgt sie dem Weg des Insekts.
      Und nicht nur sie.
      Erst kann ich es nicht entdecken, aber nach einiger Zeit sehe ich doch eine Form, die kein steinförmiges Aussehen hat.
      Diese ist ebenso bewegungslos, aber langgestreckt, braun und schuppig.
      Eine grosse Eidechse, die in der Sommersonne nach einem Mittagsmahl sucht.
      Felide und Reptiloide belauern erstarrt gemeinsam die krabbelnde Köstlichkeit.
      Katzen sind geduldig.
      Echsen nicht.
      Mit einer Bewegung, der die Augen fast nicht folgen können, hat sich die Echse den Käfer geschnappt.
      Im gleichen Augenblick schnellt Miezka vor.
      Doch das Urzeitmonster ist schon mit der Beute weg.
      Sauerei!
      Skandal!
      Einfach so die Zwischenmalzeit klauen!
      Warum tut die Regierung nichts gegen diese hungrigen Lurche?
      Die Eidechse jedoch scheint von dem Angriff des Fellriesen ziemlich beeindruckt gewesen zu sein.
      So beeindruckt, dass sie einen Teil ihres Schwanzes dagelassen hat.
      Der ringelt sich in letzten Zuckungen auf dem warmen Stein.
      Miezka stutzt erst, dann sofort eine Pfote auf das unbekannte Ringelteil.
      Das macht keine Anstalten zur Flucht.
      Also doch leichte Beute.
      Dann wird erst mal daran geknappert.
      Scheint ja richtig schmackhaft zu sein.
      Mit unbedingt magenfüllend, aber vielleicht gibt’s ja hier noch mehr von der Sorte.
      Wenn nicht, muss Dosi dringend Eidechse in Gelee kaufen.
      Bis das soweit ist, muss erst mal geschaut werden, ob sich hier irgendwo noch mehr von solchen delikaten Teilen herumtreiben.
      Nur lassen sich keine dieser Reptilien mehr blicken.
      Anscheinend hat es sich herumgesprochen, dass man auf Miezkas’s Speisekarte steht.
      Miezka jedenfalls gibt nicht auf und schleicht den ganzen Sommer über immer wieder suchend durch die Steine.
      Ob sie fündig wurde ist mir nicht bekannt.
      Jedenfalls sollte ich nie mit ihr in einen Zoo gehen, der solcherart geschuppter Kriechtiere hält.
      Es könnte zu einer mysteriösen Entvölkerung des Reptilienhauses kommen.
      Starwars

      Computerspiele haben die Welt erobert.
      Durch simples drücken einer Taste offenbart sich ein optisches und akustisches Feuerwerk auf dem heimischen Monitor.
      Es braucht aber schon einige Übung, um bei den immer komplexeren Aufgaben der jeweiligen Games die Oberhand zu behalten.
      Miezka hat da ein geradezu überirdisches Talent entwickelt....
      *
      Ich bin beileibe keiner dieser fanatischen Pixeljäger, die unbedingt immer das neueste Game noch vor dem Erscheinungsdatum haben müssen.
      Die Anzahl der Spiele auf meinem Rechenknecht beschränkt sich auf die Erzeugnisse einer bekannten deutschen Softwareschmiede.
      Nur wenn es mich überkommt zocke ich durchaus mal eine Weile diese Weltraum-Handels-Kampfsimulation.
      So auch an jenem denkwürdigen Tag.
      Miezka langweilt sich in ihrem Katzenkorb und so kann ich endlich die berüchtigte Goner-Mission beginnen.
      Und das lässt sich auch ziemlich gut an.
      Es macht einfach Spass, diese niederträchtigen Weltraumpiraten platt zu machen.
      Eins ums andere löst sich ein gegnerisches Raumschiff in einer aparten Explosionswolke auf.
      Nur diese sch... Discoverer erwisch ich nicht, die ist einfach zu schnell.
      Plasmawerfer, Partikelbeschleunigerkanonen, egal was ich einsetze, das Ding ist nicht zu erwischen.
      Die Ballerei geht so einige Zeit, ergebnislos.
      Dass ich dabei nicht auf Miezka achte, versteht sich von selbst.
      Offenbar hat sie aber auch ein Faible für virtuelle Welten, denn nach einiger Zeit macht es „Miau“ und mit einem Satz ist sie auf meinem Schoss.
      Interessiert schaut sie dem Geschehen zu.
      Und wie es scheint, interessiert sie sich für die Tastatur.
      Na ja, warum auch sollten Samtpfoten kein technisches Verständnis entwickeln?
      Mit einem Mal tappt sie nach der Tastatur.
      Es kann nur die STRG-Taste gewesen sein.
      Ein Schuss, und die ewig lang gejagte Discoverer war Geschichte.
      Kann das sein?
      Miezka, wie zum Geier, hast du das gemacht?
      Wie!?
      Du lässt mich ziemlich alt aussehen!
      Ich Betriebsdepp schlage mich ewig lange mit dem Ding herum und dann kommt ein simpler Stubentiger und fetzt es mit einem Schuss aus dem elektronischen All.
      Das muss geprüft werden.
      Also, den aktuellen Spielstand gespeichert und den vorherigen noch mal geladen.
      Von neuem geht der Kampf los.
      Nur Miezka ist nicht mehr interessiert.
      Völlige Ignoranz.
      Sie reibt sich an mir, soll wohl heissen „Verzeih mir“.
      Ansonsten macht sie keine Anstalten, die Aktion zu wiederholen.
      Auch gutes zureden hilft nichts.
      Sie will mich wohl blosstellen, will mich demütigen.
      Fast kann ich ein hämisches Grinsen in ihrem Gesicht erkennen.
      Vade reto, verräterisches Weib!
      Aber was ich auch anstellte, das Ergebnis war nicht reproduzierbar.
      Es scheiterte an meiner Inkompetenz und an Miezkas strikter Weigerung zur Zusammenarbeit.
      Ich musste es neidvoll anerkennen, Miezka ist ein Genie!
      Des Rätsels Lösung bot sich mir vor einigen Tagen.
      Ich war gerade dabei einen wichtigen Brief zu schreiben, als sie wieder diesen Drang verspürte, auf meinen Schoss zu springen.
      Dann blitzschnell die Pfoten auf der Tastatur.
      Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: dkwnvroi8w4+rcxmäc-,d
      Noch weis ich nicht was dieser Code bedeutet.
      Aber ich werde ihn knacken, das schwöre ich!
      Vielleicht sollte ich Miezka bis dahin an der Uni für das Fach Informatik einschreiben.

      Schnitzeljagd

      Schnitzeljagd

      Der Mensch, so behaupten viele, sei das intelligenteste Wesen auf diesem unserem Planeten.
      Was Habgier, Mordlust und Intrige betrifft, so stimme ich dieser Aussage durchaus zu.
      Sollte es sich aber um die profane Befriedigung persönlicher Genüsse drehen, so steht ein anderer Bewohner dieser Welt ihm auf jeden Fall in nichts nach.
      Dessen Objekt der Begierde befindet sich in der Regel im Kühlschrank
      *
      Ich koche gern.
      Nicht dass ich ein Starkoch wäre, aber etwas schmackhaftes bekomme ich immer öfter hin.
      Und manchmal ergibt es sich, dass ich auch für Freunde koche.
      So auch diesmal.
      Ich war zu Besuch bei Katharina und hatte ihr versprochen, ein Menü zuzubereiten.
      Und natürlich habe ich Miezka mitgebracht.
      Erst mal misstrauisch, hat sie sich unter der Couch verkrochen, während ich in der Küche zugange bin.
      Heute gibt es Schnitzel süss-sauer.
      Es sind diese Minutenschnitzel, die von Minigrösse beim Braten unweigerlich auf ein mikroskopisches Format schrumpfen.
      Die Kartoffeln kochen schon und der Salat ist auch schon geputzt.
      Die Schnitzel liegen auf der Arbeitsplatte und ich bin gerade dabei, die Marinade zusammenzustellen, als Miezka ankommt und bettelt.
      Die rohen Schnitzel scheinen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie auszuüben.
      Aber nein, das ist nicht für dich.
      Mit vorwurfsvollem Blick zieht sie wieder ab und ich widme mich wieder der Marinade.
      Zweiter Versuch.
      Auch diesmal ist sie erfolglos.
      Aber sehe ich da nicht ein heimtückisches glitzern in ihren Augen?
      Mal prüfen ob die Kartoffeln schon gar sind.
      Ein Scheppern neben mir erregt meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
      Miezka ist auf die Arbeitsplatte gesprungen und beschnüffelt ausgiebig die rohen Schnitzel.
      Jetzt reichts aber!
      Ab ins Wohnzimmer und wag es ja nicht wieder....
      Weiter geht die Kocherei.
      Da ertönt ein Schrei und ein Geschimpfe aus dem Wohnzimmer.
      Es ist Katharina.
      Miezka ist aufs Fensterbrett gesprungen und hat eine Pflanze runtergeschmissen.
      Ich bin gleich bei Katharina und versuche sie zu beruhigen.
      Nur habe ich da nicht die Küche im Blickfeld.
      Gerade noch rechtzeitig kann ich die heftig protestierende Miezka von der Arbeitsplatte entfernen.
      Miezka steht in der Küchentür. Wenn Blicke töten könnten....
      Da ich nicht kochen und gleichzeitig auf Miezka aufpassen kann, beschliesse ich kurzfristig, die Schnitzel wieder im Kühlschrank zu verstauen.
      Miezka schaut beleidigt und verzieht sich in eine Ecke.
      Also weiter im Kochtakt.
      Da kommen lästerliche Flüche aus dem Wohnzimmer.
      Was ist jetzt schon wieder los?
      Katharina jagt hinter Miezka her und flucht wie der Teufel persönlich.
      Irgend etwas scheint die Fellnase angestellt zu haben.
      Jetzt kniet Katharina vor dem Wohnzimmerschrank, Miezka hat sich darunter verkrochen.
      Sie fühlt sich wohl unter dem 4-Meter-Monstrum sicher.
      Katharina versucht, sie zu greifen, obwohl sie nichts sieht.
      Auf meine Frage, was denn passiert sei, bekomme ich nur „Miststück“ zu hören.
      Niemand achtet derweil auf die andere Seite des Schranks.
      Forensische Analysen des Ablaufs haben später ergeben, dass Miezka still, leise und vor allem unbemerkt auf der anderen Seite des Schranks herausgeschlichen ist.
      Der Disput mit Katharina zieht sich einige Zeit hin und führt zu keinem Ergebnis.
      Niemand achtet mehr auf die sonstigen Vorgänge in der Wohnung.
      Ich hab’s aufgegeben und will wieder in die Küche.
      Da fallen mir fast die Augen aus dem Kopf!
      Die Kühlschranktür ist offen, im Kühlschrank steckt Miezka, nur noch das Hinterteil ist zu sehen.
      Ich bin sprachlos.
      Miezka bemerkt mich und jagt wie der Blitz, ein Schnitzel zwischen den Fangzähnen, davon.
      Es mach einen undefinierbaren Rumpler.
      Ich hör nur einen Schrei von Katarina, dann ist Stille.
      Wie sich herausstellt, ist das Raubtier mit dem Schnitzel sofort wieder unter dem Wohnzimmerschrank verschwunden.
      Während Miezka sich unter dem Schrank den fleischlichen Genüssen hingibt, folgt eine angeregte, aber wenig fruchtbare Diskussion.
      Von wegen Kühlschranktür offengelassen und so.
      Ich bin mir sicher, ich habe sie geschlossen.
      Vielleicht ist der Haltemagnet defekt.
      Wenn nicht, ergeben sich ungeahnte Aspekte.
      In dem Fall hat Miezka dann das alles minuziös geplant.
      Sollte dem so sein, würde es mich nicht wundern, wenn demnächst in der naheliegenden Metzgerei eine Schweinehälfte abhanden kommt.