Lakaien, Butler und sonstige dienstbaren Geister sind in unserer Gesellschaft denen vorbehalten, welche die notwendige finanzielle Ausstattung dazu haben.
Es gibt aber einen Personenkreis der dies völlig selbstverständlich und ohne dass ihm Kosten entstehen, in Anspruch nimmt.
Dieser Personenkreis residiert beileibe nicht in den Chefetagen der Konzerne, sondern schleicht auf vier Pfoten durch Wohnungen und Gärten.
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Eigentlich wollte ich keine Katze.
Das heisst, eigentlich wollte ich schon, aber ich war damals ziemlich viel unterwegs und da wäre es für so ein Tier nicht gut, Tage oder gar Wochen alleine zu verbringen.
Aber nach 6 anstrengenden Arbeitswochen gedachten meine damalige Freundin und ich, doch mal auszuspannen.
Wir einigten uns auf Kreta, denn dort ist es auch im Oktober noch einigermassen warm.
Die Auswahl fiel uns leicht, denn es war das einzige Reiseziel, das noch kurzfristig frei war.
Schön war es dort.
Die malerischen Müllberge am Strassenrand gaben der Insel ein besonderes Flair.
Und teuer war es auch nicht, z.b. konnten wir Sonnenöl sparen, wir brauchten nur kurz ins Meer und waren total eingeölt.
Auch Morgengymnastik war angesagt.
In weiser Voraussicht war das Hotel so gebaut, dass man zum Frühstück 200 Meter ins nächste Hotel laufen musste.
Da war ein Fussweg mit nett arrangierten Erdhaufen und herrlich wildem Gestrüpp an der Seite.
Und genau an diesem Fussweg ereilte uns das Schicksal.
Denn in der Mitte des Fussweges versammelte sich jeden Morgen ein Rudel wilder Katzen.
Die bekamen von den Touristen, die vom Frühstück zurückkamen, immer ein Stück Wurst.
Da wir auch zu der Spezies Tourist gehörten, folgten wir ebenso diesem wahrscheinlich seit Jahrtausenden eingebürgertem Ritual.
Nett anzusehen, wie die Katzen um die Wurst bettelten und sich auch manchmal darum balgten.
Nach einigen Tagen fiel mir auf, dass ein kleines rot-weis getigerte Kätzchen nie etwas von der Wurst abbekam.
Offensichtlich schmeckte den anderen Katzen die Wurst so gut, dass sie sich sogar dazu herabliessen, das kleine Kätzchen mit einem Pfotenhieb zu vertreiben.
Nun bin ich ja für eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen.
Daher habe ich bei so einem morgendlichen Fütterungsritual gezielt die anderen Katzen vertrieben und dem kleinen Kätzchen ein Stück Wurst gegeben.
Die Folgen waren ungeahnt.
Kaum war das Wurststück verschlungen, schaute sie mich mit bettelndem Blick an.
Aber Kätzchen, ich hab nichts mehr für dich.
Also machen wir uns auf den Weg ins Appartement.
Da streicht etwas um meine Beine.
Es ist Kätzchen.
Kätzchen lässt sich nicht abschütteln und folgt uns beharrlich.
Naja, morgen bekommt sie wieder was.
Kätzchen folgt uns bis zur Appartementtür.
Reinlassen wollen wir sie nicht.
Wir haben damit gerechnet, dass sie schon von alleine wieder zurückgeht
Womit wir nicht gerechnet haben, war die perfide Strategie felider Intelligenz.
Katzen können stundenlang völlig still vor einem Mauseloch sitzen und warten bis die Maus herauskommt.
Aber wohl wissend, dass unser Appartement kein Mauseloch und wir keine Mäuse waren, entfiel der Begriff „still“ und der Begriff stundenlang wurde dafür doppelt verwendet.
Am Anfang fiel es uns nicht gerade auf.
Da war nur ein leises Fipen auf dem Flur.
Aber es hörte nicht auf.
Es hörte einfach nicht auf.
Sie wollte uns wohl weichkochen wie einen Kohlrabi im Dampfkochtopf.
Da wir nicht die Konsistenz von Kohlrabi haben, waren wir ziemlich schnell weichgekocht.
Also gut Kätzchen, du darfst mal kurz rein.
Kaum war die Tür auch nur einen Spalt offen, war sie schneller drin, als ein Politiker seine Meinung wechselt.
Da wurde zuerst alles untersucht und begutachtet.
Aber trotz offener Tür macht Kätzchen keine Anstalten, die Räumlichkeiten wieder zu verlassen.
Und nun?
Also beschlossen wir, im Supermarkt etwas Katzenfutter käuflich zu erweben.
Aber Katzenfutter in einem Supermarkt auf Kreta?
Gibt’s nicht!
Nun gut, bekommt sie eben Thunfisch, schliesslich lebt sie ja am Meer.
Und so wie’s aussah, schmeckte ihr das auch excellent.
Nun wollten wir an den Strand.
Also Sachen zusammengepackt und los.
Kätzchen wird vor die Tür gesetzt, sie kennt ja den Weg.
Kätzchen bleibt aber vor der Tür sitzen, schaut uns an und fängt wieder zu maunzen an.
Jetzt ist Kriegsrat fällig.
Nach Abwägung aller Fakten fällen wir ein salomonisches Urteil.
Kätzchen darf dableiben, solange wir da sind.
Und wenn der Urlaub zu Ende ist muss sie wieder zum Rudel zurück.
Auch das Problem mit dem Katzenklo haben wir mit Hilfe einer Plastiktüte und Sand vom Strand gelöst.
Kätzchen hat das gleich akzeptiert, wahrscheinlich war sie bisher nicht sehr verwöhnt.
Vom Strand zurück, finden wir Kätzchen schlafend mitten im Bett.
Nun gut, das Bett ist breit genug.
Dachten wir.
Unglaublich wie gross so eine Katze in der Nacht werden kann.
Auf jeden Fall lagen wir zusammengekuschelt an der Bettkante, während Kätzchen den Rest des Bettes mit Beschlag belegte.
Zumindest einige Zeit.
Denn irgendwann in der Nacht tapste irgend etwas über mein Gesicht und etwas fellartiges legte sich direkt darauf.
Dann spürte ich das treten kleiner Pfoten.
An Schlaf war nicht mehr zu denken.
Jetzt hatte Kätzchen Janette mit der gleichen Tour in der Mache.
Den Rest der Nacht verbrachten wir damit, mit der Kleinen zu spielen.
Erst gegen Morgen schlief sie ein.
So vergingen die Tage.