In urvergangnen, fernen, fernen Tagen
da hab’ die Erde ich getragen
durchs weite Weltentönemeer.
Und wenn mich nun die Menschenkinder fragen–
ich kann es selber nicht mehr sagen,
es ist viel tausend Jahre her.
Doch später bin ich klein und vielfach worden
und lebt’ auf Erden manniger Orten
im Sumpf, am Land und auch im Meer.
Manch einer fand von mir die leere Schale
und dachte nichts. Vom Göttermahle
der findige Hermes kam daher.
Neugierig hielt er sie an’s Ohr, zu lauschen –
und hört’ die Weltentöne rauschen.
Da hat er sich was ausgedacht:
Kuhhörner steckt’ er zweie dran, gebogen,
hat Saiten drüber aufgezogen
und eine Leier draus gemacht.
Was hat er denn mit einer Leier wollen? –
O Kind, er schenkte sie Apollen,
der sang dazu das Sonnenlied.
Stieg dann vom Himmel, Barden zu erkiesen,
hat sie im harfen unterwiesen,
zu stiften Ordnung, Ruh’ und Fried’.
Weil ich die Weltentöne durfte lehren,
stand ich bei allen hoch in Ehren,
wo Saiten klangen hell und klar.
Doch haben es die Menschen ganz vergessen
und lassen mich Salat und Würmer essen
und niemand weiß mehr, was ich einst im Anfang war.
Ein Gedicht aus "Tierlebens-Bilder" von Wolfgang Schickler, unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg entstanden.

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