Sozialisierung erwachsener Hunde

  • Es ist immer sehr wichtig, dass der eigene Hund gut hört und dementsprechend gut erzogen ist. Während viele Hundebesitzer ihre Tiere im Welpenalter bekommen, holen sich andere Menschen die bereits erwachsenen Hunde aus dem Tierheim, der Tierrettung, aus dem Haushalt oder sind anderweitig auf den Hund gekommen. Leider sind in dem Moment einige erwachsene Hunde nicht sozialisiert oder erzogen, was viele Hundehalter vor ein großes Problem stellt. Denn während die Sozialisierung bei Welpen kein Problem darstellt, haben erwachsene Hunde auch schon sehr viel in ihrem Leben mitgemacht, sodass man hier, eventuell aufgrund von Ängsten und Aggressionen, anders vorgehen muss. Die Experten von der Zoobio GmbH wollen in diesem Ratgeber einige Tipps geben, welche für Hundebesitzer von nicht sozialisierten Hunden sehr hilfreich sein könnten.

    Der Rat von einem Experten

    Wer einen älteren Welpen oder sogar einen erwachsenen Hund hat, der während des Welpenalters nicht sozialisiert wurde, steht oft einiges an Arbeit an. So ist zum Beispiel zu beobachten, dass vor allem die Hunde schlecht sozialisiert sind, die von anderen Hunden aufgezogen wurden oder aber aus einer Massenzucht stammen.

    Wichtig ist es für Hundehalter, die einen erwachsenen Hund sozialisieren wollen, dass sie sich den Rat von einem Experten einholen. Hier helfen Verhaltensexperten für Tiere gerne weiter, wobei einige sogar explizit auf die Sozialisierung von Hunden ausgebildet sind. Auch dann, wenn ein Hund Anzeichen dafür zeigt, andere Artgenossen oder sogar Menschen zu beißen, sollte man nun nicht selber mit der Sozialisierung beginnen, sondern ebenfalls einen Experten hinzuziehen, welcher nun bei dem Vorhaben helfen kann und die einzelnen Schritte durchgeht. Wichtig ist es immer, dass man den Hund selbst zu jeder Zeit komplett unter Kontrolle hat und ihn im schlimmsten Fall auch gebändigt bekommt.

    Der Maulkorb – manchmal einfach unumgänglich

    Vor allem bei Tieren, die dazu neigen, aggressiv zu werden und andere Tiere zu beißen, ist es ratsam, einen Maulkorb zu verwenden. Auch der Kopfhalter ist nun nicht verkehrt, um das Tier besser zu kontrollieren. So ist der Kopfhalter am Maulkorb befestigt, was für den Halter mehr Kontrolle trotz weniger Kraft ermöglicht. Dabei sollte der Maulkorb die komplette Hundeschnauze umfassen. Damit der Hund einen möglichst hohen Komfort genießen kann, ist es allerdings wichtig, einen Maulkorb zu wählen, der auch passt. Um das Tier an sein neues Accessoire zu gewöhnen, ist es wichtig, dieses zu Anfang immer nur sehr kurz anzuziehen. Erst dann, wenn der Hund sich daran gewöhnt hat, sollte man mit ihm spazieren gehen. Des Weiteren ist es ratsam, ein Geschirr anstelle eines Halsbandes zu nutzen.

    Den Hund eines Freundes kennenlernen

    1: Um klein anzufangen, können Hundehalter einen Freund bitten, die Hunde einander vorzustellen. Dabei ist es wichtig, beide Hunde an der Leine zu halten und einen Abstand von ca. 3 Metern zu bewahren. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass der andere Hund auch freundlich zu Artgenossen ist. Außerdem sollten zu diesem Zeitpunkt beide Hunde immer unter Kontrolle durch ihre Besitzer sein.

    2: Des Weiteren muss ein neutraler Ort ausgewählt werden, welcher am besten sogar beiden Hunden komplett fremd ist. Man darf die Hunde also auf keinen Fall einander in dem Garten oder dem Haus vorstellen, da es sich hierbei um das Revier der Tiere handelt. Die Wahrscheinlichkeit ist sonst höher, dass der Hund aggressiv reagiert.

    3: Nachdem man sich ca. drei Meter voneinander entfernt hat, geht man nun langsam auf den anderen Hundehalter zu. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Hunde keinen Kontakt zueinander haben dürfen. Beide Hundebesitzer sollten also dazwischen stehen. Wenn der eigene Hund nun mit dem Knurren anfängt, dreht man kommentarlos um und geht wieder weg. Der Hund selbst muss sich nun mit dem Rücken zum anderen Hund hinsetzen und sich beruhigen. Ist das geschehen, so wird er gelobt und das Spiel beginnt noch einmal. Bei einigen Tieren kann es sogar vorkommen, dass auch dieser Schritt einige Tage dauern kann. Und auch die Entfernung von nur drei Metern kann für einige Hunde, die nicht sozialisiert sind, viel zu gering sein, sodass diese auch nach Bedarf erhöht werden kann.

    4: Nun muss das Verhalten der Hunde beobachtet werden, um zu schauen, was passiert, wenn man sie einander vorstellt. Sieht der Hund entspannt und glücklich aus, so kann man mit ihm immer etwas näher gehen. Bei dem anderen Hund muss das natürlich ebenfalls der Fall sein. Sobald die Tiere Knurren, die Zähne fletschen oder es andere Anzeichen von aggressivem oder falschem Verhalten gibt, muss der Abstand wieder erhöht werden.

    5: Um eventuelle Anspannungen verfliegen zu lassen, kann das Tier nun auch abgelenkt werden. Das geht zum Beispiel besonders gut mit kleinen Leckereien. Des Weiteren sollte man immer selbst ruhig bleiben und auch mit einer ruhigen Stimme auf das Tier einreden. Wichtig ist es auch hier, immer wieder Abstand zu nehmen, sobald ein Tier ein aggressives Verhalten zeigt. Man sollte auf keinen Fall weitergehen und irgendetwas erzwingen oder mit dem Tier schimpfen. Sollte es nach 15 - 20 Minuten immer noch keine Besserung geben, sollte in ein paar Tagen einfach ein neuer Versuch gestartet werden.

    6: Die ersten Male sollten beide Hundebesitzer auch einfach aneinander vorbeigehen, wobei anschließend die Hunde zu loben sind. Erst nach und nach dürfen sich die Tiere auch mal beschnuppern.

    7: Sobald der Hund auch nach einigen Versuchen keine Besserung zeigt, kann es schwierig werden. Wenn das der Fall ist, sollte ein Hundetrainier kontaktiert werden. Dieser kann sich den Hund genauer anschauen und einige Trainingseinheiten mit ihm durchführen.

    Die Sozialisierung fortsetzen

    1: Wenn die ersten Schritte erfolgreich waren, ist es wichtig, am Ball zu bleiben und die Sozialisierung fortzuführen. Es ist wichtig, dass der Hund fortlaufend an andere Leute und Hunde herangeführt wird, um all das Gelernte auch zu verinnerlichen. So kann der eigene Hund auch die Ängste gegenüber fremden Menschen und Artgenossen verlieren, was natürlich für beide Seiten erstrebenswert ist.

    2: Des Weiteren sollte man auch immer mal Besuch einladen. Hat der Hund zum Beispiel Angst vor Männern mit Bart, so sollten genau die die Zielgruppe sein. Es sollten also Freunde mit Bart zum Abendessen eingeladen werden, sodass der Hund auch hier seine Ängste überwinden kann. Sobald der Hund sich an das Aussehen gewöhnt hat, sollten genau diese Menschen ihn mit Leckereien verwöhnen, sodass dieses positive Erlebnis verankert wird.

    3: Des Weiteren sind viele Spaziergänge genau das, was beiden Spaß macht und dabei hilft, die Sozialisierung von erwachsenen Hunden fortzuführen. Der Hund sollte also jeden Tag auf mindestens einen kurzen Spaziergang in der nahen Umgebung mitgenommen werden, wobei jeden Tag neue Strecken ausgewählt werden sollten, damit das Tier ganz neue Reize wahrnimmt. Dabei kann es hilfreich sein, sich eine Bank zu suchen und etwas auszuruhen. Der Hund hat in dieser Zeit die Möglichkeit, die Geräusche und Gerüche um sich herum ganz in Ruhe wahrzunehmen und zu beobachten.

    4: Neigt der Hund zum Beißen, so sollte er sowohl bei Besuch als auch beim Spazierengehen einen Maulkorb tragen. Des Weiteren handelt es sich auch beim Maulkorb um ein interessantes Trainingsprodukt, da der Hund fast ohne Risiko neue Leute und Tiere kennenlernen kann.

    5: Allerdings ist es auch bei der Fortführung wichtig, einen Experten hinzuzuziehen, wenn sich das Verhalten nicht bessert. So kann es immer wieder vorkommen, dass die Hunde nicht wirklich positiv auf die Versuche des Besitzers reagieren und eher andere Methoden sinnvoll wären. Es gibt spezielle Gruppentraining oder aber das Training in Eins-zu-Eins-Sitzungen.

    Weitere Tipps zur Sozialisierung erwachsener Hunde

    • Hundebesitzer sollten den Tieren immer ausreichend Zeit lassen und sie nie zu etwas drängen
    • Ein Hund sollten nicht dafür bestraft werden, dass er andere Hunde anbellt. Das könnte dazu führen, dass er andere Hunde mit der Bestrafung assoziiert, was das Problem deutlich verschlimmern kann.
    • Es ist nicht schlimm, sich Hilfe zu suchen. Diese Möglichkeit sollten Hundehalter immer in Betracht ziehen.
    • Es lassen sich bestimmte Pheromonprodukte nutzen, welche Hunde beruhigen sollen und es ermöglichen, dass Stresssituationen abgeschwächt werden.

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