Für Leute, mit langem Atem...

      Für Leute, mit langem Atem...

      In der Aula zu Toledo

      Klingen schmetternd die Fanfaren;

      Zu dem geistlichen Turnei

      Wallt das Volk in bunten Scharen.

      Das ist nicht ein weltlich Stechen,

      Keine Eisenwaffe blitzet -

      Eine Lanze ist das Wort,

      Das scholastisch scharf gespitzet.

      Nicht galante Paladins

      Fechten hier, nicht Damendiener -

      Dieses Kampfes Ritter sind

      Kapuziner und Rabbiner.



      Statt des Helmes tragen sie

      Schabbesdeckel und Kapuzen;

      Skapulier und Arbekanfeß

      Sind der Harnisch, drob sie trutzen.



      Welches ist der wahre Gott?

      Ist es der Hebräer starrer

      Großer Eingott, dessen Kämpe

      Rabbi Juda' der Navarrer?



      Oder ist es der dreifalt'ge

      Liebegott der Christianer,

      Dessen Kämpe Frater Jose,

      Gardian der Franziskaner?



      Durch die Macht der Argumente,

      Durch der Logik Kettenschlüsse

      Und Zitate von Autoren,

      Die man anerkennen müsse,



      Will ein jeder Kämpe seinen

      Gegner ad absurdum führen

      Und die wahre Göttlichkeit

      Seines Gottes demonstrieren.



      Festgestellt ist: daß derjen'ge,

      Der im Streit ward überwunden,

      Seines Gegners Religion

      Anzunehmen sei verbunden,



      Daß der Jude sich der Taufe

      Heil'gem Sakramente füge,

      Und im Gegenteil der Christ

      Der Beschneidung unterliege.



      Jedem von den beiden Kämpen

      Beigesellt sind elf Genossen,

      Die zu teilen sein Geschick

      Sind in Freud und Leid entschlossen.



      Glaubenssicher sind die Mönche

      Von des Gardians Geleitschaft,

      Halten schon Weihwasserkübel

      Für die Taufe in Bereitschaft,



      Schwingen schon die Sprengelbesen

      Und die blanken Räucherfässer -

      Ihre Gegner unterdessen

      Wetzen die Beschneidungsmesser.



      Beide Rotten stehn schlagfertig

      Vor den Schranken in dem Saale,

      Und das Volk mit Ungeduld

      Harret drängend der Signale.



      Unterm güldnen Baldachin

      Und umrauscht vom Hofgesinde

      Sitzt der König und die Kön'gin;

      Diese gleichet einem Kinde.



      Ein französisch stumpfes Näschen,

      Schalkheit kichert in den Mienen,

      Doch bezaubernd sind des Mundes

      Immer lächelnde Rubinen.



      Schöne, flatterhafte Blume -

      Daß sich ihrer Gott erbarme -

      Von dem heitern Seineufer

      Wurde sie verpflanzt, die arme,



      Hierher in den steifen Boden

      Der hispanischen Grandezza;

      Weiland hieß sie Blanch' de Bourbon,

      Doña Blanka heißt sie jetzo.



      Pedro wird genannt der König

      Mit dem Zusatz der Grausame;

      Aber heute, milden Sinnes,

      Ist er besser als sein Name.



      Unterhält sich gut gelaunt

      Mit des Hofes Edelleuten;

      Auch den Juden und den Mohren

      Sagt er viele Artigkeiten.



      Diese Ritter ohne Vorhaut

      Sind des Königs Lieblingsschranzen,

      Sie befehl'gen seine Heere,

      Sie verwalten die Finanzen.



      Aber plötzlich Paukenschläge,

      Und es melden die Trompeten,

      Daß begonnen hat der Maulkampf,

      Der Disput der zwei Athleten.



      Der Gardian der Franziskaner

      Bricht hervor mit frommem Grimme;

      Polternd roh und widrig greinend

      Ist abwechselnd seine Stimme.



      In des Vaters und des Sohnes

      Und des Heil'gen Geistes Namen

      Exorzieret er den Rabbi,

      Jakobs maledeiten Samen.



      Denn bei solchen Kontroversen

      Sind oft Teufelchen verborgen

      In dem Juden, die mit Scharfsinn,

      Witz und Gründen ihn versorgen.



      Nun die Teufel ausgetrieben

      Durch die Macht des Exorzismus,

      Kommt der Mönch auch zur Dogmatik,

      Kugelt ab den Katechismus.



      Er erzählt, daß in der Gottheit

      Drei Personen sind enthalten,

      Die jedoch zu einer einz'gen,

      Wenn es passend, sich gestalten -



      Ein Mysterium, das nur

      Von demjen'gen wird verstanden,

      Der entsprungen ist dem Kerker

      Der Vernunft und ihren Banden.



      Er erzählt: wie Gott der Herr

      Ward zu Bethlehem geboren

      Von der Jungfrau, welche niemals

      Ihre Jungferschaft verloren;



      Wie der Herr der Welt gelegen

      In der Krippe, und ein Kühlein

      Und ein Öchslein bei ihm stunden,

      Schier andächtig, zwei Rindviehlein.



      Er erzählte: wie der Herr

      Vor den Schergen des Herodes

      Nach Ägypten floh, und später

      Litt die herbe Pein des Todes



      Unter Pontio Pilato,

      Der das Urteil unterschrieben,

      Von den harten Pharisäern,

      Von den Juden angetrieben.



      Er erzählte: wie der Herr,

      Der entstiegen seinem Grabe

      Schon am dritten Tag, gen Himmel

      Seinen Flug genommen habe;



      Wie er aber, wenn es Zeit ist,

      Wiederkehren auf die Erde

      Und zu Josaphat die Toten

      Und Lebend'gen richten werde.





      »Zittert, Juden!« rief der Mönch,

      »Vor dem Gott, den ihr mit Hieben

      Und mit Dornen habt gemartert,

      Den ihr in den Tod getrieben.



      Seine Mörder, Volk der Rachsucht,

      Juden, das seid ihr gewesen -

      Immer meuchelt ihr den Heiland,

      Welcher kommt, euch zu erlösen.



      Judenvolk, du bist ein Aas,

      Worin hausen die Dämonen;

      Eure Leiber sind Kasernen

      Für des Teufels Legionen.



      Thomas von Aquino sagt es,

      Den man nennt den großen Ochsen

      Der Gelehrsamkeit, er ist

      Licht und Lust der Orthodoxen.



      Judenvolk, ihr seid Hyänen,

      Wölfe, Schakals, die in Gräbern

      Wühlen, um der Toten Leichnam'

      Blutfraßgierig aufzustöbern.



      Juden, Juden, ihr seid Säue,

      Paviane, Nashorntiere,

      Die man nennt Rhinozerosse,

      Krokodile und Vampire.



      Ihr seid Raben, Eulen, Uhus,

      Fledermäuse, Wiedehöpfe,

      Leichenhühner, Basilisken,

      Galgenvögel, Nachtgeschöpfe.



      Ihr seid Vipern und Blindschleichen,

      Klapperschlangen, gift'ge Kröten,

      Ottern, Nattern - Christus wird

      Eu'r verfluchtes Haupt zertreten.



      Oder wollt ihr, Maledeiten,

      Eure armen Seelen retten?

      Aus der Bosheit Synagoge

      Flüchtet nach den frommen Stätten,



      Nach der Liebe lichtem Dome,

      Wo im benedeiten Becken

      Euch der Quell der Gnade sprudelt -

      Drin sollt ihr die Köpfe stecken -



      Wascht dort ab den alten Adam

      Und die Laster, die ihn schwärzen;

      Des verjährten Grolles Schimmel,

      Wascht ihn ab von euren Herzen!



      Hört ihr nicht des Heilands Stimme?

      Euren neuen Namen rief er -

      Lauset euch an Christi Brust

      Von der Sünde Ungeziefer!



      Unser Gott, der ist die Liebe,

      Und er gleichet einem Lamme;

      Um zu sühnen unsre Schuld,

      Starb er an des Kreuzes Stamme.



      Unser Gott, der ist die Liebe,

      Jesus Christus ist sein Name;

      Seine Duldsamkeit und Demut

      Suchen wir stets nachzuahmen.



      Deshalb sind wir auch so sanft,

      So leutselig, ruhig, milde,

      Hadern niemals, nach des Lammes,

      Des Versöhners, Musterbilde.
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      Einst im Himmel werden wir

      Ganz verklärt zu frommen Englein,

      Und wir wandeln dort gottselig,

      In den Händen Lilienstenglein.



      Statt der groben Kutten tragen

      Wir die reinlichsten Gewänder

      Von Muss'lin, Brokat und Seide,

      Goldne Troddeln, bunte Bänder.



      Keine Glatze mehr! Goldlocken

      Flattern dort um unsre Köpfe;

      Allerliebste Jungfraun flechten

      Uns das Haar in hübsche Zöpfe.



      Weinpokale wird es droben

      Von viel weiterm Umfang geben,

      Als die Becher sind hier unten,

      Worin schäumt der Saft der Reben.



      Doch im Gegenteil viel enger

      Als ein Weibermund hienieden,

      Wird das Frauenmündchen sein,

      Das dort oben uns beschieden.



      Trinkend, küssend, lachend wollen

      Wir die Ewigkeit verbringen,

      Und verzückt Halleluja,

      Kyrie eleison singen.«



      Also schloß der Christ. Die Mönchlein

      Glaubten schon, Erleuchtung träte

      In die Herzen, und sie schleppten

      Flink herbei das Taufgeräte.




      Doch die wasserscheuen Juden

      Schütteln sich und grinsen schnöde.

      Rabbi Juda, der Navarrer,

      Hub jetzt an die Gegenrede:



      »Um für deine Saat zu düngen

      Meines Geistes dürren Acker,

      Mit Mistkarren voll Schimpfwörter

      Hast du mich beschmissen wacker.



      So folgt jeder der Methode,

      Dran er nun einmal gewöhnet,

      Und anstatt dich drob zu schelten,

      Sag ich Dank dir, wohlversöhnet.



      Die Dreieinigkeitsdoktrin

      Kann für unsre Leut' nicht passen,

      Die mit Regula-de-tri

      Sich von Jugend auf befassen.



      Daß in deinem Gotte drei,

      Drei Personen sind enthalten,

      Ist bescheiden noch, sechstausend

      Götter gab es bei den Alten.



      Unbekannt ist mir der Gott,

      Den ihr Christum pflegt zu nennen;

      Seine Jungfer Mutter gleichfalls

      Hab ich nicht die Ehr' zu kennen.



      Ich bedaure, daß er einst,

      Vor etwa zwölfhundert Jahren,

      Ein'ge Unannehmlichkeiten

      Zu Jerusalem erfahren.



      Ob die Juden ihn getötet,

      Das ist schwer jetzt zu erkunden,

      Da ja das Corpus delicti

      Schon am dritten Tag verschwunden.



      Daß er ein Verwandter sei

      Unsres Gottes, ist nicht minder

      Zweifelhaft; soviel wir wissen,

      Hat der letztre keine Kinder.



      Unser Gott ist nicht gestorben

      Als ein armes Lämmerschwänzchen

      Für die Menschheit, ist kein süßes

      Philantröpfchen, Faselhänschen.



      Unser Gott ist nicht die Liebe;

      Schnäbeln ist nicht seine Sache,

      Denn er ist ein Donnergott

      Und er ist ein Gott der Rache.



      Seines Zornes Blitze treffen

      Unerbittlich jeden Sünder,

      Und des Vaters Schulden büßen

      Oft die späten Enkelkinder.



      Unser Gott, der ist lebendig,

      Und in seiner Himmelshalle

      Existieret er drauflos

      Durch die Ewigkeiten alle.



      Unser Gott, und der ist auch

      Ein gesunder Gott, kein Mythos

      Bleich und dünne wie Oblaten

      Oder Schatten am Cocytos.



      Unser Gott ist stark. In Händen

      Trägt er Sonne, Mond, Gestirne;

      Throne brechen, Völker schwinden,

      Wenn er runzelt seine Stirne.



      Und er ist ein großer Gott.

      David singt: Ermessen ließe

      Sich die Größe nicht, die Erde

      Sei der Schemel seiner Füße.



      Unser Gott liebt die Musik,

      Saitenspiel und Festgesänge;

      Doch wie Ferkelgrunzen sind

      Ihm zuwider Glockenklänge.



      Leviathan heißt der Fisch,

      Welcher hause im Meeresgrunde;

      Mit ihm spielet Gott der Herr

      Alle Tage eine Stunde -



      Ausgenommen an dem neunten

      Tag des Monats Ab, wo nämlich

      Eingeäschert ward sein Tempel;

      An dem Tag ist er zu grämlich.



      Des Leviathans Länge ist

      Hundert Meilen, hat Floßfedern

      Groß wie König Ok von Basan,

      Und sein Schwanz ist wie ein Zedern.



      Doch sein Fleisch ist delikat,

      Delikater als Schildkröten,

      Und am Tag der Auferstehung

      Wird der Herr zu Tische beten



      Alle frommen Auserwählten,

      Die Gerechten und die Weisen -

      Unsres Herrgotts Lieblingsfisch

      Werden sie alsdann verspeisen,



      Teils mit weißer Knoblauchbrühe,

      Teils auch braun in Wein gesotten,

      Mit Gewürzen und Rosinen,

      Ungefähr wie Mateloten.



      In der weißen Knoblauchbrühe

      Schwimmen kleine Schäbchen Rettich -

      So bereitet, Frater Jose,

      Mundet dir das Fischlein, wett ich!



      Auch die braune ist so lecker,

      Nämlich die Rosinensauce,

      Sie wird himmlisch wohl behagen

      Deinem Bäuchlein, Frater Jose.



      Was Gott kocht, ist gut gekocht!

      Mönchlein, nimm jetzt meinen Rat an,

      Opfre hin die alte Vorhaut

      Und erquick dich am Leviathan.«



      Also lockend sprach der Rabbi,

      Lockend, ködernd, heimlich schmunzelnd,

      Und die Juden schwangen schon

      Ihre Messer wonnegrunzelnd,



      Um als Sieger zu skalpieren

      Die verfallenen Vorhäute,

      Wahre spolia opima

      In dem wunderlichen Streite.



      Doch die Mönche hielten fest

      An dem väterlichen Glauben

      Und an ihrer Vorhaut, ließen

      Sich derselben nicht berauben.



      Nach dem Juden sprach aufs neue

      Der katholische Bekehrer;

      Wieder schimpft er, jedes Wort

      Ist ein Nachttopf, und kein leerer.



      Darauf repliziert der Rabbi

      Mit zurückgehaltnem Eifer;

      Wie sein Herz auch überkocht,

      Doch verschluckt er seinen Geifer.



      Er beruft sich auf die Mischna,

      Kommentare und Traktate;

      Bringt auch aus dem Tausves-Jontof

      Viel beweisende Zitate.



      Aber welche Blasphemie

      Mußt er von dem Mönche hören!

      Dieser sprach: der Tausves-Jontof

      Möge sich zum Teufel scheren.



      »Da hört alles auf, o Gott!«

      Kreischt der Rabbi jetzt entsetzlich;

      Und es reißt ihm die Geduld,

      Rappelköpfig wird er plötzlich.



      »Gilt nichts mehr der Tausves-Jontof,

      Was soll gelten? Zeter! Zeter!

      Räche, Herr, die Missetat,

      Strafe, Herr, den Übeltäter!



      Denn der Tausves-Jontof, Gott,

      Das bist du! Und an dem frechen

      Tausves-Jontof- Leugner mußt du

      Deines Namens Ehre rächen.



      Laß den Abgrund ihn verschlingen,

      Wie des Korah böse Rotte,

      Die sich wider dich empört

      Durch Emeute und Komplotte.



      Donnre deinen besten Donner!

      Strafe, o mein Gott, den Frevel -

      Hattest du doch zu Sodoma

      Und Gomorrha Pech und Schwefel!



      Treffe, Herr, die Kapuziner,

      Wie du Pharaon getroffen,

      Der uns nachgesetzt, als wir

      Wohlbepackt davongeloffen.



      Hunderttausend Ritter folgten

      Diesem König von Mizrayim,

      Stahlbepanzert, blanke Schwerter

      In den schrecklichen Jadayim.



      Gott! da hast du ausgestreckt

      Deine Jad, und samt dem Heere

      Ward ertränkt, wie junge Katzen,

      Pharao im Roten Meere.



      Treffe, Herr, die Kapuziner,

      Zeige den infamen Schuften,

      Daß die Blitze deines Zorns

      Nicht verrauchten und verpufften.



      Deines Sieges Ruhm und Preis

      Will ich singen dann und sagen,

      Und dabei, wie Mirjam tat,

      Tanzen und die Pauke schlagen.«



      In die Rede grimmig fiel

      Jetzt der Mönch dem Zornentflammten:

      »Mag dich selbst der Herr verderben,

      Dich Verfluchten und Verdammten!



      Trotzen kann ich deinen Teufeln,

      Deinem schmutz'gen Fliegengotte,

      Luzifer und Beelzebube,

      Belial und Astarothe.



      Trotzen kann ich deinen Geistern,

      Deinen dunkeln Höllenpossen,

      Denn in mir ist Jesus Christus,

      Habe seinen Leib genossen.



      Christus ist mein Leibgericht,

      Schmeckt viel besser als Leviathan

      Mit der weißen Knoblauchsauce,

      Die vielleicht gekocht der Satan.



      Ach! anstatt zu disputieren,

      Lieber möcht ich schmoren, braten

      Auf dem wärmsten Scheiterhaufen

      Dich und deine Kameraden.«



      Also tost in Schimpf und Ernst

      Das Turnei für Gott und Glauben,

      Doch die Kämpen ganz vergeblich

      Kreischen, schelten, wüten, schnauben.



      Schon zwölf Stunden währt der Kampf,

      Dem kein End' ist abzuschauen;

      Müde wird das Publikum,

      Und es schwitzen stark die Frauen.



      Auch der Hof wird ungeduldig,

      Manche Zofe gähnt ein wenig.

      Zu der schönen Königin

      Wendet fragend sich der König:



      »Sagt mir, was ist Eure Meinung?

      Wer hat recht von diesen beiden?

      Wollt Ihr für den Rabbi Euch

      Oder für den Mönch entscheiden?«



      Doña Blanka schaut ihn an,

      Und wie sinnend ihre Hände

      Mit verschränkten Fingern drückt sie

      An die Stirn und spricht am Ende:



      »Welcher recht hat, weiß ich nicht -

      Doch es will mich schier bedünken,

      Daß der Rabbi und der Mönch,

      Daß sie alle beide stinken.«
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      Super Mopsmom! alle Achtung - oder hast Du etwa gegoogelt??? Aber als ich es zum ersten mal las, habe ich mich auch gekringelt vor lachen........ , zugegeben.. und der schluss ist doch geradezu genial :lol:
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      PÖH :snooty:

      :lol:Ich lese einfach unheimlich gerne und Heinrich Heine mag ich.. :zustimm:
      Leider,leider, kommt es zur zeit viel zu kurz-das Lesen.. :confused:
      Ich glaube, ich habe das mal in der Schule gelesen :think:

      Ich finde es auch großartig..
      herrlicher Schluß,
      muss man einfach immer wieder schmunzeln..
      Wer einmal erlebt hat,wie in ein "altes Hundegesicht" das Lachen zurückkehrt,
      nur der kann nachvollziehen,dass es nicht traurig ist, wenn man die Welpen-Zeit nicht mit seinem Hund verbracht hat..
      Wuselrudel=Mopsmom :wink:
      Und ich liebe Tieck--- sooo sprachgewaltig...


      Ludwig Tieck
      Phantasus

      Betrübt saß ich in meiner Kammer,
      Dacht' an die Noth, an all' den Jammer
      Der rund um drückt die weite Erde,
      Daß man nur schaut Trauergeberde,
      Wie Lust und Sang und frohe Weisen
      Gezogen weit von uns auf Reisen,
      Daß Argwohn, Mißtraun unsre Gäste,
      So Furcht wie Angst bei jedem Feste,
      Daß jedermann nur frägt in Sorgen:
      Wie wird es mit dir heut' und morgen?
      Dazu war ich noch schwach und krank,
      Mir war so Tag wie Nacht zu lang;
      Ich sorgte, was mein Arzt ermessen,
      Was ich nicht trinken durft' und essen,
      Wie meine Pein zu lindern wäre,
      Was mir den Schlaf, die Ruh' nicht störe:
      So saß ich still in mich gebückt,
      Den Kopf in meine Hand gedrückt,
      Als ich, so sinnend, es vernahm
      Daß jemand an die Thüre kam,
      Es klopfte, und ich rief: herein!
      Da öffnet schnell ein Händelein
      So weiß wie Baumesblüth, herfür
      Trat dann ein Knäblein in die Thür,
      Das Haupt gekränzt mit jungen Rosen,
      Die eben aus den Knospen losen,
      Wie Rosengluth die Lippen hold,
      Das krause Haar ein funkelnd Gold,
      Die Augen dunkel, violbraun,
      Der Leib gar lieblich anzuschaun.
      Er trat vor mich und thät sich neigen,
      Und sprach alsdann nach kurzem Schweigen:
      Wie kömmt's, mein lieber kranker Freund,
      Daß ihr hier sitzt, da Sonne scheint?
      Der Frühling geht umher mit Pracht,
      Hat Laub des Waldes angefacht,
      Es brennt das grüne Feuer wieder,
      Und drein ertönen tausend Lieder,
      Die Erde trägt ihr Sommerkleid
      Der Plan erglänzt von Blumen weit,
      Es springt der Fisch in blauem See,
      Vom Obstbaum hängt der Blühtenschnee,
      Die Lieb- und Seegen-schwangre Luft
      Durchspielt in Wogen Kraft und Duft,
      Das Kindlein lacht die Blühten an
      Aus rothem Mund mit weissen Zahn,
      Der Jüngling sieht sein Herz und Lieben
      In Blumenschrift mit Glanz geschrieben,
      Sich hebt der Jungfrau schöne Brust
      In ahndungsvoller Liebeslust,
      Der Greis erfrischt die alten Glieder
      Und dünkt sich in der Kindheit wieder,
      Und jedermann fühlt freuden-schwanger
      Den dunkeln Wald, den lichten Anger.
      Du nur willst sitzen hier gekauert,
      In deinen Sorgen eingemauert,
      Von Schwermuths-Wolken rings umhängt,
      In Noth und Zweifeln eingeengt?
      Ich kenne dich nicht wieder schier;
      Hinaus mach' straks dich vor die Thür,
      Und thu dein menschlich Angesicht
      Hinein in holdes Himmelslicht,
      Laß nicht die Stirn dir so verrunzeln,
      Der Lippen Frische ganz verschrunzeln,
      Das Auge, das sonst Strahlen scharf
      Von seinem lichten Bogen warf,
      Ist tief hinein zum Haupt geschmolzen
      Und schießt nur schwer' und stumpfe Bolzen,
      Entzweit hat sich dein Mund mit Lachen,
      Scherz, Kuß sind ihm wildfremde Sachen,
      In deiner gelb verschrumpften Haut
      Der Kummer sich im Spiegel schaut;
      Nicht, Kreatur, mach' Schand und Spott,
      Der dich geschaffen, deinem Gott,
      Schau aus, als seist nach seinem Bilde
      Formiret edel, heiter, milde,
      Verbrümmelt nicht und ungelachsen,
      Als seyn in dir zusammgewachsen
      All Unkraut, Stacheln, Disteln, Dorn,
      Mit Schimmel, Pilzen fest verworrn;
      Frisch auf, laß dich von mir regieren,
      Ins Frühlings-Reich will ich dich führen.

      Er schwang in seiner Rechten zart
      Die Tulpenblum seltsamer Art,
      Wie er sie auf und nieder regte
      Ein farbig Feuer sich bewegte,
      Und lichte Sterne kreisten, welche
      Sich schüttelten aus goldnem Kelche,
      Sie flogen wie die Vöglein munter
      Mir um das Haupt, herauf, herunter,
      Und neckten mich mit Flammenleuchte,
      Wie ich auch bang sie von mir scheuchte.
      Ich sprach halb zornig: wer bist du,
      Der mich gestört in meiner Ruh,
      Du Knäblein laut, vorwitziglich,
      Daß du also bespöttelst mich,
      Und willst, weil du ein Kindlein frei,
      Daß alle Welt auch kindisch sei?
      Ich habe mehr gelernt, erfahren,
      Bin auch jetzund was mehr bei Jahren,
      Daß Spiel, unnützer Zeitvertreib
      Nicht mehr gefallen meinem Leib,
      Auch ist umher die ganze Welt
      Auf Ernst, Nachdenklichkeit gesiellt,
      Daß der nur Thor jedwedem scheint
      Der sich nicht höherm Zweck vereint,
      Du aber, Knäblein, bist inmitten
      Der Bildung nicht mit fortgeschritten,
      Meinst noch, daß man nach Blum' und Kraut
      Und all den Kinderei'n ausschaut,
      Das hält man jetzt für Rauch und Dunst,
      Mein Sohn, die Zeit ist nicht wie sunst.

      Der Knabe lacht', daß sich das Gold
      Der Locken in einander rollt
      Und sprach: sonst hast mich wohl gekannt,
      Ich bin der Phantasus genannt,
      Heimathlich war ich sonst bei dir,
      Dein Spielgefährte für und für,
      Als du mich noch am Herzen hegtest
      Und väterlich und freundlich pflegtest,
      Da war dein Sinn anders gestellt;
      Mit dir zufrieden und der Welt
      War dir die Arbeit Lust und Scherz,
      Frisch und gesund dein junges Herz.

      Mein Auge, sprach ich, ist wohl blind;
      Du also bist dasselbe Kind,
      Das täglich Blumen mir gebracht,
      Holdseliglich mich angelacht,
      Das mir verscherzt die muntern Stunden,
      Vielfältig Spielzeug mir erfunden?
      Seitdem bist du von mir entwichen
      Und anderwärts umher gestrichen,
      Da kamen Ernst, Vernunft, Verstand,
      Und gaben mir in meine Hand
      Der Bücher viel und mancherlei
      Voll tiefen Sinns, Philosophei,
      Ich strebte, mich aus rohem Wilden
      Zum wahren Menschen umzubilden;
      Drauf ich auch zur Geschichte kam,
      Die Noth der Welt zu Herzen nahm,
      Die Chronikbücher unverdrossen
      Hab' ich in Nächten aufgeschlossen,
      Die Vorzeit stieg zu mir herüber
      Und immer ernster ward's und trüber:
      Bald schien mich an ein flüchtig Blitzen,
      Dann glaubt ich Wahrheit zu besitzen,
      Dann kam die Dämmrung, faßt' es wieder
      Und taucht' es in die Finstre nieder;
      Die Nacht ward wieder Lichtes schwanger,
      Das neue Licht macht' mich noch banger,
      Wohl ahndend, daß, wenn's ausgegohren
      Die Finstre neu draus wird gebohren:
      So wies Histori mir nur Noth,
      Im Leben auch nur Grab und Tod,
      Das Schöne stirbt, der Glanz löscht aus,
      Das Irdisch-Schlechte baut sein Haus,
      Und spricht von seinem Felsenthron
      Den hohen Göttersöhnen Hohn:
      Natur hab' ich ergründen wollen,
      Da kam ich gar auf seltsam Schrollen,
      Verlor mich in ein steinern Reich,
      Ich glaubte all's, nichts doch zugleich,
      Wollt Pflanz, Metall und Stein verstehn,
      Mußt' mir doch selbst verloren gehn,
      Hatt' viel Kunstworte bald erstanden,
      Ich selbst gekommen nur abhanden,
      Um endlich wieder zu gelangen
      Noch dummer wo ich ausgegangen:
      Vielleicht weil du, mein Sohn, gefehlt,
      Hab' ich in Angst mich abgequält;
      Verstehst du wohl die alten Schriften,
      Wandelst wohl auch auf Weisheits-Triften?
      Doch still, ich will dich jetzt nicht plagen,
      Komm, laß uns in den schönen Tagen
      So spielen, wie wir sonst gepflogen,
      Wenn du mir etwas noch gewogen.

      Der Kleine schmeichelt sich an mich,
      Drückt' an mein Knie mit Lächeln sich,
      Wandt' sich hieher und dorthin nun,
      Fast wie die jungen Kätzlein thun.
      Da gehn wir aus dem Haus, und warm
      Nimmt Sommer mich in seinen Arm,
      Die Lerch' in Lüften jubilirt,
      Hänfling und Drossel musizirt,
      Das Grün schmiegt sich um Plan und Hügel,
      Der Schmetterling wiegt Purpurflügel,
      Die Blumen roth, braun, gold und blau
      Stehn dicht gedrängt auf grüner Au,
      Die Bienen summen lustig, nippen
      Den Honigseim von Blumenlippen,
      Duft, röthlich Glanz kreucht aus dem Baum,
      Hängt von dem Zweig, ein süßer Traum.
      Wie ist, sprach ich, die Welt so bunt,
      Von neuem tönt und schwazt der Mund
      Der kind'schen Quellen, Frühlings Hand
      Nahm von den Zungen ab das Band,
      Das Winter jährlich um sie legt,
      Daß sich kein lautes Wörtchen regt,
      Die Sommergäst' auch sind mit Schalle
      In's Land zurück gekommen alle.

      Indem wand sich den Buchenhain
      Vom Plane ab der Weg hinein,
      Der Glanz mit Grün schön war gemischt,
      Die stille Luft vom Wind erfrischt,
      Die wilden Tauben hört' ich girren,
      Zeisig und Fink in Nestern, schwirren,
      Ein Duft süß aus den Bäumen floß,
      Ein Rieseln sänftlich sich ergoß
      Aus Tannenbäumen, die vom Winde
      Sanft angespielt erklangen linde,
      Das all war meinem kranken Leben
      Als Labsal und Arznei gegeben.
      Wo sind wir, Liebster? rief ich aus,
      Sei mir gegrüßt, du grünes Haus,
      Gegrüßt ihr frischen Bogengänge,
      Willkommen mir, ihr Waldesklänge!
      Ich war noch nie in den Revieren,
      Sprich, wohin willst du mich denn führen?
      Er sagte nichts, nur freundlich winkt
      Sein Aug' das mir in's Auge blinkt.
      Einsamer ward der dichte Hain,
      Gespaltener des Lichtes Schein,
      Der sich in Gattern um uns legte
      Und mit des Luftes Zug bewegte;
      Da hört' ich Wild von ferne schrei'n,
      Da sangen fremde Vögel drein
      Mit wundersamen Ton, es klangen
      Viel Bächlein, die aus Felsen sprangen,
      Wie Schatten zog es her und hin,
      Ein Schauer flog durch meinen Sinn.
      Nun war's, als hört' ich Kinder plaudern,
      Hin lief ich ohne länger Zaudern,
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      Und als ich nach dem Ort gekommen
      Von wo ich erst den Ton vernommen,
      Da that sich auf des Waldes Dunkel,
      Und vor mir lag ein hell Gefunkel,
      Roth sah ich wilde Nelken blühn,
      Sammt lichten Sternen von Jasmin,
      Und duftend Kraut Je länger lieber,
      Das rankte eine Grott' hinüber,
      An die sich hoch der Epheu schlang,
      Und aus der Höhle kam Gesang.
      Da schaut ich in den Fels hinein,
      Dort saß ein Bild mit lichtem Schein,
      Güldnes Gewand den Leib umfloß,
      An den sich Spang' und Gürtel schloß,
      Das Antlitz bleich, entfärbt die Wange,
      Sie schien in Furcht und Zittern bange
      Und schloß sich an ein Mannsgebild,
      Das schaute aus den Augen wild,
      Doch lächelt' er mit Freundlichkeit:
      Er war in schwarz Gewand gekleidt,
      Ein dunkles Haar hing um das Haupt,
      Er trug von wildem Wein umlaubt
      Den güldnen Stab in seiner Hand,
      Geflochten war um sein Gewand
      Epheu und Tannenzweig' in Kränzen,
      Wozwischen rothe Rosen glänzen;
      Er sprach und sang der Schönen vor,
      Und flüsterte ihr oft in's Ohr.
      Da fragt ich: Kind, wer sind die beide?
      Der Knabe sprach: im schwarzen Kleide
      Der ist der Schreck, von Märchen alten
      Beschreibt er gern die Schau'rgestalten;
      Das Mägdlein da im lichten Kleid
      Ist meine liebe Albernheit,
      Sie ängstet sich und um so gerner
      Hört sie den Andern reden ferner,
      Sie fürchtet sich vor dem Erschrecken,
      Läßt sich doch spielend davon necken,
      Sie lächelt, und vor Schauder weint
      Ihr Lachen, das in Thränen scheint,
      Sie freut sich und wird voraus bleich,
      So spielt sie mit dem Geisterreich,
      Wenn Schreck ihr sagt: nun sprech' ich, jetzt,
      Was dich recht durch und durch entsetzt!
      Dann bittet sie: so schweige lieber, -
      Nein, spricht sie dann, erzähl' es, Lieber:
      Nun rauscht der schwarze Tannenhain,
      Dann weinen Felsenbäche drein,
      Sie meint sie stirbt vor Angst und Schmerz
      Und drückt dem Schreck sich fest an's Herz.

      Da sah ich einen Kleinen gaukeln
      Und sich in allen Blumen schaukeln,
      Ein herzigs Kind, das auf und nieder
      Im Tanze schwang die zarten Glieder,
      Bald klettert' es in Epheuranken
      Und ließ sich kühn vom Winde schwanken,
      Bald stand oben am Fels der Lose
      Und duckte sich in eine Rose,
      So eilig, daß der Stengel knickte
      Wie er sich in die Röthe bückte,
      Dann fiel er lachend auf die Au
      Und war benetzt vom Rosenthau:
      In Blättern, aus Jasmin gezogen,
      Beschifft' er dann des Baches Wogen,
      Und bracht' als Kriegsgefangne heim
      Die Bienen mit dem Honigseim;
      Dann sucht' er Muscheln sich im Sande
      Und Stein' und Kiesel vielerhande,
      Und putzte drinn das Felsenhaus
      Mit vielen artgen Schnörkeln aus:
      Auf einmal ließ er alles liegen
      Und schien durch Lüfte schnell zu fliegen,
      Nun auf dem höchsten Tannenbaum
      Stand er und übersah den Raum,
      Mit Riesenstärke bog er dann
      Des Baumes Wipfel auf den Plan
      Und ließ ihn dann zurücke schießen,
      Des Baches Wogen mußten fließen
      In Wasserfällen laut und brausend,
      Der mächt'ge Wald dazwischen sausend,
      Ein furchtbar Echo, das von oben
      Hin durch den Thalgrund sprach mit Toben,
      Dazu des Donners Krachen viel,
      Schien alles ihm nur Harfenspiel.
      Er selbst, der erst ein kleiner Zwerg,
      War jetzt großmächtig wie ein Berg,
      Und sprang so schnell wie Blitzes Lauf
      Zur Höhe des Gebirgs hinauf,
      Riß aus der Wurzel mächt'ge Felsen,
      Die ließ er sich zum Thale wälzen
      Mit lautem Donnern, furchtbarm Krachen,
      Das machte ihn von Herzen lachen,
      Wie sie im Pürzen, Springen, Kollern,
      So ungeschlacht zur Ebne schollern,
      Wie sie die nackten Hauer fletschen
      Und Wald und Berg im Sturz zerquetschen.
      Da war ich bang und furchtsam fast,
      Ich sprach: wer ist der schlimme Gast,
      Der erst ein Kindlein thörigt spielte,
      An Bienen nur sein Müthlein kühlte,
      Ein Tandmann schien, doch nun erwachsen
      So ungeheuer, ungelachsen,
      Daß kaum noch so viel Kraft der Welt,
      Daß sie ihn sich vom Halse hält?
      Das ist der Scherz, so sprach mein Freund,
      Der Groß und Klein dasselbe scheint,
      Oft ist er zart und lieb unschuldig,
      Doch wird er wild und ungeduldig,
      So kühlt er seinen Muth den frechen
      Und all's muß biegen oder brechen. -
      Kann man nicht, fragt' ich, Sitt' ihm lehren? -
      Das hieß ihn nur, sprach er, verkehren,
      Er acht't kein noch so klug Gebot,
      Und schreit nur: das thut mir nicht noth!
      So lassen sie ihm seinen Willen. -
      Da schlug urplötzlich aus dem Stillen
      Der Sang von tausend Nachtigallen,
      Die ließen ihre Klage schallen,
      Und aus dem grünen Waldesraum
      Erglänzt' ein leuchtend goldner Saum,
      Von Purpurkleidern, die erbeben
      In Gluth, wie sich die Glieder heben
      Vom schönsten weiblichen Gebilde,
      Sie schritt nun lächelnd zum Gefilde,
      Und kam aus dunkelm Wald hervor
      Wie Sonne durch des Morgens Thor,
      Das goldne Haar in Wellen fließend,
      Das lichte Aug' die Welt begrüßend,
      Das rothe Lächeln Wonne streuend,
      Des Leibes Glanz rings all erfreuend;
      So wie die Augen leuchtend gingen,
      Die Blumen an zu blühen fingen,
      Das Gras ward grüner, Wonnebeben
      Schien Stein und Felsen zu beleben,
      Die Wasser jauchzten, und im Innern
      Bewegt' ein seeliges Erinnern
      Der Erde allertiefstes Herz,
      Demant erwuchs und Goldes-Erz.
      Wer ist, fragt' ich, die dort regiert,
      So zart und edel gliedmasirt,
      Die Klare, Holde, Minniglich?
      Nenn' ihren Namen, Knabe, sprich!

      Dir ist es also nicht bewußt,
      Sprach Phantasus, in deiner Brust,
      Was Thier' und Pflanzen, Stein' empfinden?
      Ich muß dir ihren Namen künden?
      Die Liebe ist sie! Und alsbald
      Kannt' ich die göttliche Gestalt,
      Ich sprach im Flehn zu ihr: demüthig
      Komm' ich zu dir, o sei mir gütig,
      Wie du die ganze Welt beglückst,
      In jedes Herz die Wonne schickst,
      Gedenke mein, laß nicht mein Leben
      Als liebeleeren Traum verschweben
      Gebietend hob sie auf die Hand,
      Da kamen aus dem grünen Land,
      Von Bergen, aus dem niedern Thal,
      Die Geister wimmelnd ohne Zahl,
      Aus Bächen huben sie sich schnell
      Und leuchteten von Schimmern hell,
      Die Bäume thaten all sich auf,
      Es sprangen vor mit munterm Lauf
      Die zarten Elfen, und aus kleinen
      Blümlein wollten sie auch erscheinen,
      Gar klein gestalt, in Farben bunt:
      Da sang ein tausendfacher Mund
      Der hohen Göttin Lob und Dank,
      Gar wundersam war der Gesang,
      Sie sonnten sich in ihrem Lächeln
      Berauscht von ihres Othems Fächeln.
      Da wandt' sich Phantasus zu mir:
      Nun, Werther, wie gefällts dir hier?
      Ich wollte sprechen: seeliglich
      Dünkt mir dies Leben sicherlich, -
      Doch nahm der allergrößte Schreck
      Mir plötzlich Stimm' und Othem weg:
      Was ich für Grott' und Berg gehalten,
      Für Wald und Flur und Felsgestalten,
      Das war ein einzigs großes Haupt,
      Statt Haar und Bart mit Wald umlaubt,
      Still lächelt' er, daß seine Kind
      In Spielen glücklich vor ihm sind,
      Er winkt, und ahndungsvolles Brausen
      Wogt her in Waldes heilgem Sausen,
      Da fiel ich auf die Kniee nieder,
      Mir zitterten in Angst die Glieder,
      Ich sprach zum Kleinen nur das Wort
      Sag' an, was ist das Große dort? -
      Der Kleine sprach: dich faßt sein Gram,
      Weil du ihn darfst so plötzlich schaun,
      Das ist der Vater, unser Alter,
      Heißt Pan, von allem der Erhalter. -

      Ei mächt'ger Schauder faßte mich,
      Mit Zittern schnell erwachte ich,
      Und so bewegt von dem Gesicht
      Verkünd' ich's euch, verschweig' es nicht. -
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      Das kannte ich nicht. :wink:
      Obwohl ich eigentlich scho viel zu müde bin.. :gähn:
      Sehr sehr schön,
      ja sprachgewaltig triffts.. :zustimm:
      Wer einmal erlebt hat,wie in ein "altes Hundegesicht" das Lachen zurückkehrt,
      nur der kann nachvollziehen,dass es nicht traurig ist, wenn man die Welpen-Zeit nicht mit seinem Hund verbracht hat..
      Wuselrudel=Mopsmom :wink:
      und ich geb noch einen drauf, von Tieck



      Der wilde Jäger

      [256] Der wilde Jäger bei dunkeler Nacht

      Im wildesten Dickicht des Forstes erwacht,

      Er höret den Sturm, und erhebt sich im Zorn,

      Er nimmt seine Hunde, das tönende Horn.



      Besteigt seinen Rappen, mit Blitzesgewalt

      Durchfährt er lautschnaubend den zitternden Wald,

      Es wiehert sein Roß, tönt das Horn in die Runde,

      Er hetzt die Gefährten, es bellen die Hunde.


      Wohlauf meine Jagd! wohlauf meine Jagd!

      Das Revier ist unser, denn jetzt ist es Nacht,

      Von flüchtigen Geistern wird gerne gehetzt,

      Wer sich vor Geheul und Gebelle entsetzt.


      [257] So fahren sie polternd durch Lüfte dahin

      Ein Grauen dem frommen und furchtsamen Sinn,

      Doch wer sich vor Wald und vor Nacht nicht entsetzt,

      Der wird vom Getümmel der Geister ergötzt.



      TEick ist einfach nur genial, nicht nur seine Lyrik

      Gute nacht -

      Mich erinnert das ganze ja an die Oskorei-- ob er diese damit beschreiben wollte, - bin eben nur ein dummer WAldschrat und habe mich damit nicht eingehend befasst - asche auf mein Haupt
      Zitat Dr. Dorit Feddersen-Petersen "Wo das Beziehungsgefüge stimmt, funktioniert das aufeinander bezogene Verhalten - und die Leine ist eigentlich überflüssig"
      Bettina Wegener:

      Welches Gedicht
      Ehre verspricht
      ist doch ganz klar
      und offenbar
      Kunstvoll gesetzt
      Eines, das nicht hetzt
      leise und still
      niemals zu schrill
      Fröhlich und blau
      nur nicht zu grau
      Kräftig und jung
      ganz Würdigung
      dessen,was ist
      daß mans vergißt
      Heiter im Ton
      nie Diskussion
      Nekisch frivol
      wortreich und hohl
      Das es nicht stört
      nieman empört
      sollte es sein
      lieblich und fein
      Endlich zum Schluß
      uns zum Genuß
      freundlich und keck
      folgt dann der Gag
      Sicher dir winkt
      auch wenn er stinkt
      würdiger Preis
      für solchen Scheiß


      Gute Nacht :D
      Wer einmal erlebt hat,wie in ein "altes Hundegesicht" das Lachen zurückkehrt,
      nur der kann nachvollziehen,dass es nicht traurig ist, wenn man die Welpen-Zeit nicht mit seinem Hund verbracht hat..
      Wuselrudel=Mopsmom :wink: