Gute Reise, mein Großer...

      Gute Reise, mein Großer...

      Mein erster eigener Eintrag in dieser Kategorie - und das immerhin nach fast zwölf Jahren. Letzte Woche mussten wir unseren Aragorn einschläfern lassen.

      Leider war ein akutes Nierenversagen eingetreten so wie es aussieht. Natürlich hab ich schon hinterfragt ob wir eventuell früher etwas hätten bemerken können. Die Anzeichen waren aber so subtil, dass eine rechtzeitige Diagnose wohl nicht möglich gewesen wäre. Er fraß ein bisschen zögerlich, aber immerhin doch ausreichend, schlief viel (das taten die Anderen bei dem fiesen Wetter aber auch). Einzig das plötzliche Benutzen des Katzenklos in den letzten paar Lebenstagen war komisch, denn sonst ist er immer raus gegangen. Und teilweise stieg er nur mit den Vorderpfoten ein und puschte dann hinten in die Wohnung. Aber auch das haben wir auf das fortgeschrittene Lebensalter geschoben. Schließlich hatte er ja auch schon Arthrose und war nicht mehr so fit wie früher. Der Urin roch wohl nicht so streng. Am gleichen Tag war er sogar noch draußen gewesen und hatte die Sonne genossen.

      Wir kamen spät heim, der Kater schlief auf seinem Lieblingsplatz - einer Truhe mit Schaffell vor der Heizung. Irgendwann stand er auf, ließ Urin unter sich und fiel ständig um. Die Pfoten wollten ihn nicht mehr tragen und rutschten auf unserem Parkett ständig weg. Beim Hochheben merkten wir schon dass jegliche Körperspannung fehlte und er sich wie ein nasser Sack hängen ließ. Außerdem war er ganz, ganz kalt (die später in der Tierklinik gemessene Temperatur war dann auch nur 35,8 Grad).

      Ganz ehrlich - mir war in dem Moment klar dass da nichts mehr zu machen war. Auch wenn es mir echt das Herz zusammengeschnürt hat. Leider fügte sich das Ganze zu einem Gesamtbild. Wir deckten unseren Dicken also ein bisschen zu und warteten, ob er den Weg selbst schafft. Erst hat er noch geschnurrt, dann wurde er immer stiller. Irgendwann reagierte er gar nicht mehr sondern zuckte nur noch zwischendurch. Er hat auch den Kopf nicht mehr gehoben und der Speichel roch extrem fies.

      Wir haben erst einmal geschaut ob er den Weg selbst gehen kann - dann mussten wir aber doch in die Tierklinik fahren.

      Eine ganze Zeit haben wir ihm gegeben, vor allem auch um ihm den Stress des Transports zu ersparen. In der Klinik angekommen war der Ratschlag der Ärztin ebenfalls, ihn umgehend einschlafen zu lassen. Wir haben drauf verzichtet ihn weiteren Tests zu unterziehen und ihn von oben bis unten umkrempeln zu lassen. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander, ich denke er hatte ein ziemlich katzenoptimales Zuhause und einen großen Platz in unseren Herzen hatte er ohnehin. Und dann muss man auch loslassen, so schwer wie es fällt. Der letzte Schritt auf dem Weg war für ihn dann aber ganz leicht.

      Naja. Jetzt liegt er in unserem Garten. Es war nicht so einfach es über mich zu bringen. Aber auch das gehört dazu. Und er verdient es auch einen schönen Ruheplatz zu haben. Seinen Napf werden wir nicht weiter vergeben.
      Bilder
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